Rund 60 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 7 und 14 Jahren tummeln sich während „Ferien zu Hause“ in den Sommerferien im Kinder- und Jugendzentrum GOT Elsaßstraße. Die Kids haben die verschiedensten Hintergründe: Manche kommen aus dem Veedel, manche von weiter weg, einige sind in Köln geboren, andere haben eine Fluchtbiographie und sind grade erst in Köln angekommen. Als wir vor drei Jahren eine Kooperation mit der Lebenshilfe starteten, sodass auch Kinder und Jugendliche mit Behinderung bei „Ferien zu Hause“ teilnehmen konnten, wurde die Gruppe noch vielfältiger.
Natürlich musste das Ferienprogramm auf die speziellen Bedürfnisse angepasst werden, Ausflüge mussten verändert, oder Alternativen angeboten werden, Tagesabläufe anhand von Piktogrammen dargestellt werden, wir brauchten „Ruheräume“. Wir waren ja nun richtig inklusiv! Aber waren wir das auch? Nein, zugegebenermaßen am Anfang nicht. Es war ein Nebeneinander. Die Kinder mit Behinderung hatten zwar eine durch die Lebenshilfe organisierte 1:1 Betreuung und es fanden verschiedene Vortreffen statt, aber für viele Mitarbeitende der GOT war die Arbeit und der
Umgang mit behinderten Kindern neu. Und ja, es gab Berührungsängste, das Gefühl etwas falsch machen zu können, sodass im ersten eigentlich „inklusiven Ferienprogramm“ ein Nebeneinander entstand. Die Lebenshilfe kümmerte sich um „ihre Kids“ und das GOT-Team kümmerte sich um „die anderen“.
Die 60 Kids schien das alles überhaupt nicht zu interessieren. (mehr …)


„Der yezidische Jugendliche S. ist im Alter von 16 Jahren im November 2015 ohne Familienangehörige nach Deutschland geflüchtet. Seine Eltern und fünf Geschwister, darunter vier minderjährig, sind seit ihrer Flucht vor dem sogenannten Islamischen Staat im Jahr 2013 gezwungen, in einem Flüchtlingscamp im Nordirak zu leben. Der zwei Jahre ältere Bruder kam bereits im Juli 2015 nach Deutschland und wurde im August 2016 als Flüchtling anerkannt. Im Oktober 2016 fand ein Erstgespräch zwischen der Verfahrensberatung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und dem damals 17-jährigen Jugendlichen und seinem erwachsenen Bruder statt. S. ist sehr besorgt, ob es gelingen kann, seine Familie bis zu seinem 18. Geburtstag am 3. Juni 2017 nachzuholen. Der Familiennachzug zu unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen ist grundsätzlich nur bei Anerkennung eines Asylrechts vor dem Erreichen der Volljährigkeit möglich.
Mich beeindruckt das Vertrauen, das der Caritas entgegengebracht wird, von UN-Behörden, anderen nationalen Caritasverbänden, ausländischen Staaten und nicht zuletzt der libanesischen Bevölkerung sowie der geflüchteten Menschen. Ich bewundere das Vertrauen der Caritas in die Zukunft trotz aller Ungewissheit hinsichtlich der Dauer und des Ausgangs der Syrienkrise oder finanziellen Rahmenbedingungen. Ich bewundere den unvoreingenommenen Umgang mit den geflüchteten Menschen, ihre klare politische Positionierung hinsichtlich der Hilfeleistungen für die geflüchteten Menschen, aber auch hinsichtlich ihres Einsatzes und ihrer Forderung, die einheimische Bevölkerung nicht aus dem Blick zu verlieren. Wie sagte Father Paul Karam, der Präsident der libanesischen Caritas angesichts der besonderen Situation und Herausforderung im Libanon: „Die Sunniten haben die Unterstützung Saudi-Arabiens, die Schiiten die des Irans und die Christen die Europas und Gottes.“
Das Zentrum der libanesischen Caritas wurde 2000 mit Hilfe von Caritas international gegründet. Vormittags treffen sich hier die Frauen. Sie werden in ihren Kompetenzen befähigt, damit sie eine Perspektive haben, wenn sie in ihre Heimat zurückkehren. Die Frauen sind zwischen 15 und 60 Jahre und älter. Viele minderjährige syrische Frauen sind bereits verheiratet und haben Kinder. Die Frauen lernen französisch und englisch und werden in Handarbeit, Computer oder im Friseur- und Kosmetikhandwerk ausgebildet. Zudem finden Ernährungsberatung und Alphabetisierungskurse statt.
Unser erster Halt ist eine Schule der libanesischen Caritas für Kinder mit Hörschädigung, geistiger sowie Lernbehinderung. Zahleh ist eine überwiegend christlich geprägte Stadt. Über den Straßen befinden sich Ketten mit Kreuzen als Hinweis auf Ostern. Die Schule der Caritas gibt es seit zwölf Jahren. Ursprünglich gestartet mit drei Klassen á 16 Schüler(inne)n hat die Schule heute 176 Schüler(innen). Es gibt mehr Anmeldungen als Aufnahmekapazitäten. Über die Aufnahme an der Schule entscheiden drei IQ-Tests. Bei einem Test geht es um das Hörvermögen, beim zweiten um die geistigen Fähigkeiten und beim dritten um die Einschätzung des Vorliegens einer möglichen Lernbehinderung. Anhand der Testergebnisse erfolgt die Zuweisung in eine Klasse. IQ-Tests sind sehr teuer im Libanon, deshalb kommen viele Eltern, um ihre Kinder an der Caritas-Schule testen zu lassen und nach Möglichkeit anzumelden.
Die Schüler(innen) werden neben den Lehrer(inne)n von Bewegungs- und Sprachtherapeut(inn)en begleitet. Die Lehrer(innen) verfügen über spezialisierte Qualifizierungen. Die Kinder lernen nicht akademisch, sondern in lebenspraktischen Zusammenhängen. Wer schulisch nicht weiterkommt, erhält eine handwerkliche Ausbildung als Kosmetiker(in), Bäcker(in) oder Frisör(in). Theorie und Vorbereitung auf die Praxis finden zwei Jahre in der Schule statt. Die Lehrer(innen) suchen Stellen für die Schüler(innen) und begleiten diese auch während ihrer praktischen Ausbildung. Monatliche Überprüfungen des Wissens geben Hinweise zur Anpassung der individuellen Förderung. Die Schule hat sich bewusst dafür entschieden, den hörgeschädigten Kindern das Lippenlesen statt der Gebärdensprache beizubringen. Zum einen, so die Schulleiterin, weil es keine einheitliche Gebärdensprache, selbst international nicht gibt, und zum anderen das unmittelbare Lebens- und Familienumfeld der Kinder selten die Gebärden kennt und sie sich so jederzeit in der Gesellschaft zurechtfinden können. Der Unterricht findet mittels der staatlichen Lehrbücher statt. Das ist keine Nebensächlichkeit, denn ansonsten wäre kein staatlich anerkannter Schulabschluss möglich. Soweit möglich, wechseln lernbehinderte Kinder mitunter auf reguläre Schulen und werden hier durch Sozialarbeiter(innen und Lehrer(innen) weiter betreut.