Mehr Mut zur Komplexität

Leserbrief von Tim Westerholt, Leiter des Geschäftsfeldes Integration der Caritas Köln, an den Kölner Stadt-Anzeiger, 28. August 2026 

Mehr Mut zur Komplexität – Die Vermischung von Bleiberechtsprogramm, städtischem Verwaltungshandeln und Liste Coesfeld 

Ja, es lässt sich diskutieren, auf welche Weise das Ausländeramt der Stadt Köln ein Unterstützungsangebot einer anderen Verwaltung verarbeitet. Hierzu gebietet es die Fairness, dass vor jeder politischen Kommentierung ebendiesem Amt die Chance eingeräumt wird, ruhig, sachlich und sorgfältig in die interne Prüfung zu gehen, bevor bereits kommunale oder landespolitische Forderungen abgeleitet werden.  

Es ließe sich anhand der Liste Coesfeld auch differenziert darstellen, was genau der Status der Langzeitduldung eigentlich bedeutet und welche Personengruppen aus welchen Gründen hiervon betroffen sind. Dabei ließe sich ebenfalls darstellen, in welchen Fällen und aus welchen guten und vor allem legalen Gründen eigentlich eine Überführung in einen regulären Aufenthaltstitel möglich und geboten ist.  

Auch eine gesellschaftspolitische Diskussion, wie mit Langzeitgeduldeten Menschen umgegangen werden soll, ließe sich führen: Zwischen zugespitzten und lauten Rufen nach effektiverer Abschiebung von Langzeitgeduldeten und Empörung über erfolgte Abschiebungen – dann nämlich, wenn ein weiteres Beispiel einer abgeschobenen ausgebildeten Pflegekraft mit vorliegendem Arbeitsvertrag aus einem beliebigen Westbalkan-Land publik gemacht wird – gibt es scheinbar nur noch wenig Gesprächs- und Diskussionsraum. 

Schade, denn in diesem Zwischenraum ließe sich auch die Funktion eines Bleiberechtsprogramms hervorragend darstellen, da es genau in diesem Bereich ansetzt: Es bietet eine Unterstützung der Integrationsleistungen Langzeitgeduldeter durch erfahrene soziale Träger Kölns und eine entsprechende Prüfung des hiesigen Ausländeramtes, ob die erreichten Fortschritte einen legalen Aufenthaltstitel ermöglichen, um diesen Integrationsweg erfolgreich weiterzugehen.  

Meine Meinung: Das ist kein Unrecht, das ist Recht und gesellschaftlich äußerst sinnvoll. Die bislang in einem Fall beschriebene fehlerhafte Aufnahme einer wegen vorsätzlich begangener Straftrat verurteilten Person, muss natürlich betrachtet werden. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass genau dieser Ausschluss im Programm klar geregelt ist und wie die bis heute drei vorliegenden Evaluationsberichte auch hergeben, mehrfach angewandt wurde.     

Das alles wird in der Auseinandersetzung mit der Liste Coesfeld leider nicht gemacht. Stattdessen erfolgt eine Vermischung von Bleiberechtsprogramm, globalen Abschiebeforderungen gegenüber Geduldeten, vermeintlich richtig oder falschem Verwaltungshandeln und hieraus abgeleiteten schnellen politischen Forderungen.  

Das ist – besonders in Zeiten von Wahlkämpfen und Haushaltsverhandlungen – äußerst gefährlich: für unseren Zusammenhalt, für unsere Rechtsauffassung, ebenso aber auch für bislang durch alle demokratischen Parteien getragene Integrationsprogramme, auf welche die „Europäische Hauptstadt für Integration und Vielfalt“ zu Recht stolz ist. 

65 Jahre Teilhabe im Wandel: Die Entwicklung der Caritas Wertarbeit

Was 1961 mit sieben jungen Menschen in einer kleinen Kölner Werkstatt begann, ist heute ein moderner Werkstattverbund mit vielfältigen Arbeits- und Förderangeboten für knapp 1000 Beschäftigte. Die Geschichte der Caritas Wertarbeit ist eine Geschichte von Wachstum, gesellschaftlichem Wandel und dem stetigen Einsatz für mehr Teilhabe. Über sechs Jahrzehnte hinweg wurden neue Standorte geschaffen, Arbeitsfelder erweitert und immer wieder Antworten auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung und psychischer Erkrankung gefunden.
Eine Chronologie von Eugen Müller-Handler, Leiter der Werkstätten von 1971-2007 und Jochen Günther, Referent Teihabemanagement

 

Die Geschichte der Caritas Wertarbeit, 

ehemals Caritas Werkstätten Köln

Die Anfänge: Zwei Wurzeln einer gemeinsamen Geschichte

Bereits 1961 wird in Trägerschaft des Sozialdienstes Katholischer Männer e.V. Köln in den Räumen der „Offenen Tür St. Mauritius“ in der Großen Telegraphenstrasse die erste „Beschützende Werkstatt“ für sieben behinderte Jugendliche in Köln gegründet. Dies ist der Ursprung der „Caritas Werkstätten Köln“.

Gleichzeitig betreibt das Kinderheim „Maria Hilf“ in Trägerschaft der „Schwestern vom armen Kinde Jesu“ in Köln-Kalk ein Hilfsschulheim mit Heimschule für Mädchen mit Behinderung. Dies sind die Wurzeln der heutigen Betriebsstätte „Clara-Fey-Haus“.

Im Oktober 1963 mietet der SKM Räume in einer alten Mädchenschule in der Gereonstrasse an, wo die „Beschützende Werkstatt“ in eigenen Räumen kontinuierliche Arbeit für behinderte Jugendliche leisten kann. Diese Werkstatt wird stetig erweitert bis auf 35 Plätze. Die Heimschule in Köln-Kalk heißt nun „Clara-Fey-Bildungsstätte“ und dort werden im September 1964 bereits 40 behinderte Mädchen in vier Klassen unterrichtet und betreut.

Gut Frohnhof: Der Aufbau einer modernen Werkstatt

Im Juli 1971 errichtet der Caritasverband für die Stadt Köln e.V. auf dem Gelände des ehemaligen städtischen „Gut Frohnhof“ in Köln-Ossendorf eine Werkstatt für behinderte Menschen. In die Räume des ersten Bauabschnitts ziehen die 35 behinderten Jugendlichen und Erwachsenen sowie sieben Mitarbeiter der „Beschützenden Werkstatt“ des Sozialdienstes Katholischer Männer e.V. Köln ein. 1973 wird der zweite Bauabschnitt der WfB „Gut Frohnhof“ fertig und es stehen nun 160 Werkstattplätze zur Verfügung.

 

Aus Bildung wird Arbeit: Das Clara-Fey-Haus entsteht

Laut Kultusministerbeschluss von 1971 ist den Sonderschulen für Geistigbehinderte die Werkstufe angegliedert worden. So hat die „Clara-Fey-Bildungsstätte“ wie viele andere Tagesstätten keinen klaren rechtlichen Auftrag mehr. Auf Drängen der Kostenträger finden im Mai 1974 erste Gespräche über eine Kooperation mit der WfB „Gut

Frohnhof“ beim Landschaftsverband Rheinland statt. Es vergehen über sieben Jahre. Erst im Januar 1982 wird die „Clara-Fey-Bildungsstätte“ vom Caritasverband für die Stadt Köln e.V. als Zweigwerkstatt der WfB „Gut Frohnhof“ übernommen. Die Zweigwerkstatt heißt nun „Clara-Fey-Haus“ und wird vom „Gut Frohnhof“ mit Arbeit versorgt. Aus der Bildungsstätte wird eine Werkstatt.

Wachstum und neue Perspektiven

Wegen des stetig wachsenden Bedarfs an Werkstattplätzen für Menschen mit Behinderung wird auf dem Gelände von „Gut Frohnhof“ ein Erweiterungsbau mit 90 Plätzen erstellt und kann im Oktober 1983 bezogen werden. Auch ein Werkstattladen mit angegliederter Näherei wird im April 1986 am „Gut Frohnhof“ eröffnet.

Die Räumlichkeiten in Köln-Kalk sind für einen ordentlichen Werkstattberieb nicht geeignet. In Absprache mit den Kostenträgern wird ein Neubau mit 170 Plätzen auf dem Gelände in Köln-Kalk geplant. Baubeginn ist im Januar 1989 und Einweihung und Bezug der neuen Zweigwerkstatt „Clara-Fey-Haus“ erfolgt im Januar 1991. Es stehen nun in Ossendorf und in Kalk insgesamt 430 Arbeits- und Betreuungsplätze für Menschen mit Behinderung zur Verfügung.

 

Erweiterung des Angebots: CariTec und besondere Betreuung

Auch Menschen mit psychischer Erkrankung oder Behinderung suchen Werkstattplätze. Die Kostenträger fordern eine strikte Trennung zu Menschen mit geistiger Behinderung. So werden im Oktober 1994 die beiden oberen Etagen im Altbau in der Bertramstrasse in Köln-Kalk mit Eigenmitteln zu einer Zweigwerkstatt für psychisch behinderte Menschen umgebaut. Diese Zweigwerkstatt mit 32 Plätzen erhält den Namen „CariTec“ und wird im April 1995 von den Kostenträgern offiziell als Werkstatt für Behinderte anerkannt. Im September 1995 werden die WfB „Gut Frohnhof“ mit den Zweigwerkstätten „Clara-Fey-Haus“ und „CariTec“ umbenannt in „Caritas Werkstätten Köln“.

Sowohl im „Gut Frohnhof“ als auch im „Clara-Fey-Haus“ werden ab 1990 Intensivfördergruppen für Menschen mit schweren Behinderungen und Verhaltensauffälligkeiten bedarfsgerecht eingerichtet. Sie heißen Arbeitsgruppen mit besonderer Betreuung (AmbB).

 

Mehr Vielfalt in der Arbeitswelt

Im November 1996 bekommen die „Caritas Werkstätten Köln“ die Möglichkeit, auf dem Gelände der ehemaligen Krankenhausgärtnerei des Elisabeth-Krankenhauses in Köln-Hohenlind eine Gartenbaugruppe einzurichten. Dies ist eine langersehnte Ergänzung des Arbeitsangebotes für die behinderten Beschäftigten, die gerne im Freien an der frischen Luft arbeiten wollen.

Qualität als Erfolgsfaktor

Von den Ford Werken, dem größten Auftraggeber der „Caritas Werkstätten Köln“, wird für eine weitere Zusammenarbeit ein zertifiziertes Qualitätsmanagement verlangt. So startet im Januar 1999 ein Qualitätsmanagement-Projekt mit dem Ziel der Zertifizierung aller Arbeits- und Betreuungsbereiche der „Caritas Werkstätten Köln“ nach DIN EN ISO 9001. Die erfolgreiche Zertifizierung der gesamten „Caritas Werkstätten Köln“ erfolgt im Dezember 2000 durch die DQS Deutsche Gesellschaft zur Zertifizierung von Managementsystemen GmbH.

 

Neue Angebote und ein weiterer Standort

Für Beschäftigte mit besonderem Betreuungsbedarf aufgrund von Alterserscheinungen, geringer Arbeitsfähigkeit und Verhaltensauffälligkeiten müssen angemessene Angebote zur Verfügung gestellt werden. So werden im Januar 2003 im „Gut Frohnhof“ bestehende Gruppenräume entsprechend umstrukturiert und ausgestattet. Die Arbeitsgruppen mit besonderer Betreuung fungieren als Bindeglied zwischen Arbeitsgruppen und Fördergruppen.
Der Platzbedarf an Werkstattplätzen wächst in Köln derart, dass die Kostenträger die „Caritas Werkstätten Köln“ zum Bau einer weiteren Zweigwerkstatt auffordern. Nach langer Suche eines geeigneten Grundstücks kann im Juni 2003 die Grundsteinlegung für die vierte Betriebsstätte der „Caritas Werkstätten Köln“ im Gewerbegebiet in Ossendorf in der Heinrich-Rohlmnn-Straße stattfinden.

Druckerei CariPrint, Foto: Harald Oppitz

Hier werden 90 Plätze für den Bereich Druckerei und Lettershop für Beschäftigte mit geistiger Behinderung und 65 Plätze für Beschäftigte mit einer psychischen Erkrankung geschaffen. Im Januar 2005 ziehen die Druckerei aus „Gut Frohnhof“ und der Lettershop aus dem „Clara-Fey-Haus“ in die Heinrich-Rohlmann-Strasse, die nun „CariPrint“ genannt wird. In den Bauabschnitt für die psychisch Erkrankten zieht die „CariTec“. In den frei gewordenen Räumen im „Gut Frohnhof“ und im „Clara-Fey-Haus“ werden Arbeitsgruppen mit besonderer Betreuung eingerichtet.

 

Vom Pionierprojekt zum Werkstattverbund

Herr Müller-Handler kann aus eigener Erfahrung bis hierher berichten.
Als er 1971 im „Gut Frohnhof“ begann, waren es 35 Beschäftigte und sieben angestellte Mitarbeitende. Zu seiner Verabschiedung im März 2007 hatten die „Caritas Werkstätten Köln“ an vier Standorten in Köln 580 Beschäftigte und 130 angestellte Mitarbeitende.

 

Auch in den folgenden Jahren wurden die Standorte kontinuierlich weiterentwickelt. Im Juni 2012 wurden die Ford-Gruppen an den neuen Standort in der Richard-Byrd-Straße verlagert. Im November desselben Jahres erfolgte die Zusammenführung aller Nähgruppen sowie der Weberei am Standort Gut Frohnhof.

2015 wechselten die verbliebenen Industrieservicegruppen aus dem Nordtrakt des Gut Frohnhof an den Standort Heinrich-Rohlmann-Straße. Anfang 2016 wurde der Bereich der Arbeitsgruppen mit besonderer Betreuung um drei produktionsnahe Gruppen erweitert.

Im November 2017 wurde die Außenarbeitsgruppe Dillenburger geschlossen und in den Gut Frohnhof integriert. Zwei Jahre später entstand dort außerdem eine Kleinstgruppe für Menschen mit besonders hohem Unterstützungsbedarf.

Caritas Wertarbeit heute

Heute steht die Caritas Wertarbeit für vielfältige Arbeits- und Förderangebote, individuelle Unterstützung und kontinuierliche Weiterentwicklung für knapp 1000 Beschäftigte. Was 1961 mit sieben Beschäftigten begann, hat sich zu einem modernen Werkstattverbund entwickelt, der Menschen mit Behinderung und psychischer Erkrankung vielfältige Möglichkeiten zur beruflichen Teilhabe eröffnet.

Weitere Infos zum heutigen Angebot der Caritas Wertarbeit:

GEAS-Anpassungsgesetz: Mehr Kontrolle – weniger Rechtsschutz?

Ein Kommentar von Mitarbeitenden der Caritas Köln, Geschäftsfeld Integration. Autorinnen: Laura Romeis, Pia Hannes, Kristina Meißner und Svenja Mattes

Am 12. Juni 2026 tritt das GEAS-Anpassungsgesetz in Kraft.

Schon jetzt zeigt sich in der Beratungspraxis: Die Reform führt nicht nur zu mehr Komplexität, sondern markiert einen grundlegenden Richtungswechsel im Asylsystem.
Der Fokus verschiebt sich spürbar – weg vom Schutz, hin zu Kontrolle, Beschleunigung und Abschreckung. Für Schutzsuchende bedeutet das mehr Unsicherheit. Für Beratungseinrichtungen für Geflüchtete führt dies zu mehr Druck bei gleichzeitig erschwerten Rahmenbedingungen.

Im Folgenden werden die wichtigsten Kritikpunkte aus Beratungssicht aufgeführt:

  1. Beschleunigte Verfahren: Weniger Zeit, mehr Fehlerrisiken

Grenz- und beschleunigte Verfahren werden ausgeweitet und prägen zunehmend den Zugang zum Asylsystem. Entscheidungen sollen künftig oft innerhalb weniger Wochen fallen – teilweise ohne aufschiebende Wirkung von Klagen. Das hat gravierende Konsequenzen: Für die Vorbereitung auf das Verfahren und die Aufarbeitung der Fluchtgründe bleibt kaum Zeit. Gleichzeitig ist der Zugang zu unabhängiger Beratung eingeschränkt, was die Situation weiter verschärft. Unter diesen Bedingungen steigt das Risiko von Fehlentscheidungen deutlich. Besonders kritisch ist, dass auch komplexe oder besonders schutzbedürftige Fälle in diese Verfahren einbezogen werden können. Dadurch wächst die Gefahr, dass individuelle Schutzbedarfe nicht erkannt werden.

  1. Früherfassung ohne Vertrauen: Die Grenzen des Screenings

Das verpflichtende Screening soll Vulnerabilitäten möglichst früh identifizieren – innerhalb weniger Tage. Aus der Beratungspraxis ist jedoch bekannt, dass dies kaum realistisch ist. Viele Betroffene sprechen nicht sofort über traumatische Erfahrungen wie Gewalt oder Verfolgung; dafür braucht es Zeit und Vertrauen. Beides fehlt in einem stark standardisierten Kurzverfahren. Hinzu kommt, dass bislang unklar ist, welche Rolle unabhängige Beratung im Screening überhaupt spielt.

Die Folge: Schutzbedarfe werden häufig zu spät erkannt. Damit werden bereits zu Beginn des Verfahrens entscheidende Weichen falsch gestellt – mit oft schwer korrigierbaren Konsequenzen.

  1. Freiheitsbeschränkungen als neuer Standard

Die Reform geht mit einer deutlichen Ausweitung von Bewegungseinschränkungen einher. Menschen müssen teilweise bis zu zwölf Monate unter restriktiven Auflagen in Aufnahmeeinrichtungen leben. In sogenannten Sekundärmigrationszentren gelten noch strengere Bedingungen, verbunden mit Aufenthaltsdauern von bis zu 24 Monaten. Verstöße können zudem mit Sanktionen bis hin zur Asylverfahrenshaft geahndet werden. Auch wenn dies formal keine Haft darstellt, handelt es sich in der Praxis häufig um eine Form der De-Facto-Inhaftierung.

Für die Beratungspraxis bedeutet das erhebliche Hürden: Der Zugang zu Beratungsangeboten wird massiv erschwert, weil das Verlassen der Einrichtungen oft genehmigt werden muss. Gleichzeitig verstärken Isolation und Perspektivlosigkeit die psychische Belastung der Betroffenen erheblich.

  1. Rechtsschutz unter Druck: „Effektiv“ nur auf dem Papier?

Zwar betont die Reform das Recht auf „effektive“ Beratung – in der Praxis bleibt dieses Versprechen jedoch vielfach unerfüllt. Rechtsberatung ist häufig nicht niedrigschwellig erreichbar, und kostenpflichtige anwaltliche Angebote sind für viele Schutzsuchende schlicht nicht finanzierbar. Staatliche Instrumente wie die Prozesskostenhilfe greifen zudem erst spät im Verfahren und decken den tatsächlichen Bedarf nicht ab.

Das verweist auf ein grundlegendes Problem: Ein Recht, das zwar formal besteht, aber praktisch kaum wahrgenommen werden kann, ist kein effektives Recht. Umso wichtiger ist die Rolle unabhängiger Beratung. Sie ist keine Ergänzung, sondern eine zentrale Voraussetzung dafür, dass Asylverfahren rechtsstaatlich funktionieren.

  1. Besonders gefährdet: vulnerable Gruppen

Gerade für besonders schutzbedürftige Personen bleiben zentrale Schutzmechanismen unzureichend. Klare Ausnahmen von beschleunigten Verfahren fehlen ebenso wie verlässliche Regelungen für Kinder, Kranke oder traumatisierte Menschen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen, individuelle Schutzbedarfe frühzeitig und detailliert darzulegen – und zwar unter Bedingungen, die genau das erschweren. Diese Diskrepanz führt dazu, dass gerade diejenigen, die besonderen Schutz benötigen, besonders leicht durchs Raster fallen.

Fazit: Beratung wird zentral – und gleichzeitig erschwert

Das GEAS-Anpassungsgesetz führt zu einem System, das stärker selektiert als schützt. Für die Beratungspraxis entsteht dadurch ein Spannungsfeld: Der Unterstützungsbedarf wächst deutlich, während zugleich der Zugang zu Ratsuchenden eingeschränkt wird. Hinzu kommen steigende rechtliche und zeitliche Anforderungen an die Beratungsarbeit.

Unabhängige Beratung wird damit zur Schlüsselfunktion. Sie schafft Vertrauen, ermöglicht den Zugang zu Rechten und wirkt strukturellen Ungleichgewichten entgegen. Gerade unter restriktiveren Bedingungen gilt daher mehr denn je: Ohne unabhängige Beratung droht der Verlust effektiven Rechtsschutzes.

 

Alle Hilfs-und Beratungsmöglichkeiten zum Thema Integration der Caritas Köln: Caritasverband für die Stadt Köln e.V. | Migration

Die Pflege steht vor einem Wendepunkt

Der Verband katholischer Altenhilfe in Deutschland (VKAD) hat den Bericht der Bund-Länder-AG „Zukunftspakt Pflege“ kritisiert.

Detlef Silvers, Leiter des Geschäftsfeldes Alter und Pflege in der Caritas Köln, erläutert, warum, und erklärt Herausforderungen und Chancen.

Unfähig zur echten Reform

Das System der sozialen Sicherung ist zu großen und wichtigen Teilen in den Sozialgesetzbüchern (SGB) definiert. Dies ist seit dem 19. Jahrhundert wesentlicher Teil der sozialen Fürsorge in Deutschland. Unsere Gesellschaft und die Bundesrepublik Deutschland steht auf Grund des demographischen Wandels vor der Herausforderung eines Umbaus der sozialen Sicherungssysteme. Immer mehr alte, kranke und pflegebedürftige Menschen stehen einer sinkenden Zahl an jungen und erwerbstätigen Menschen gegenüber, bei einer sich gleichzeitig zunehmend globalisierenden Wirtschaft.

Wesentliche Säulen sind die Arbeitslosenversicherung, die Rentenversicherung, die Unfallversicherung und die Krankenversicherung, seit den 1990er Jahren ergänzt um die Pflegeversicherung. Die Finanzierung fußt dabei auf Beiträgen der Arbeitgeber (als Beitrag zu deren sozialen Verpflichtung gegenüber den Arbeitnehmern) und den eigenen Beiträgen der Arbeiter und Angestellten. Diese Finanzierung setzt voraus, dass die Wirtschaftsleistung der Unternehmen eine Produktivität hat, die neben Gewinnen der Unternehmer und angemessenen Löhnen der Mitarbeiter, auch Abgaben für die soziale Sicherung „abwirft“. Zudem beruht das System auf einem Generationenvertrag „jung sorgt für alt“.

Die Globalisierung der Wirtschaft, in denen neue Länder konkurrierend in Technologie und Herstellung von Waren vorstoßen, und die überproportionale Steigerung der Anteile alter und hochbetagter Menschen in den westlichen Gesellschaften, machen eine Weiterentwicklung der Sozialen Sicherungssysteme erforderlich.

Seit der Agenda 2010 der rot-grünen Regierung (2003-2005) unter Gerhard Schröder, die den deutschen Arbeitsmarkt und Sozialstaat grundlegend umbaute, unabhängig vom kritischen Diskurs um die Auswirkungen dieser Reform, fehlt es an wirklichen und durchgreifenden Veränderungen im Sozialsystem.

Auf die Nicht-Reform der Rentenversicherung in den letzten Monaten, folgt nun der Abschlussbericht der Bund-Länder-Arbeitsgruppe „Zukunftspakt Pflege“. Diesen kritisiert unser Fachverband Pflege VKAD der Caritas Deutschland als „Papier voller Andeutungen ohne Verbindlichkeit“. Das Papier bleibt, so der Vorsitzende des Verbandes Andreas Wedeking ambitionslos und verschiebt wichtige Entscheidungen auf den Sankt Nimmerleinstag: „Die Pflege braucht kein weiteres Sammelpapier von prüfbaren Optionen, sondern ein Reformpaket, das eindeutig regelt, was kommt, wer es finanziert und ab wann es gilt. Nur eine solche Entschlossenheit zeigt den politischen Willen zu einer stabilen Finanzierung. Die vorgelegten Eckpunkte zeigen ihn nicht.“

Die Anforderung bleibt auch aus unserer Sicht, die Weiterentwicklung der Sozialen Sicherungssysteme unter der Beachtung der unausweichlichen Wahrheiten der sich verändernden Rahmenbedingungen.

Dazu beschreibt Silvers die folgenden Herausforderungen und Chancen:

  1. Statt ständig steigender Eigenanteile bei Pflegebedürftigen braucht eine klare Abgrenzung der Pflegekosten in den Pflegeeinrichtungen zu den Kosten der Pflegekassen und Kommunen. Das Modell des „Spitze-Sockel-Tausch“, mit einer Begrenzung und Festlegung von Eigenanteilen, wurde bereits wiederholt über die Caritas eingebracht, wird von vielen Experten befürwortet, findet aber in der Politik keinen positiven Widerhall. Ob eine solche Festlegung der Eigenanteile mit festen Beträgen erfolgt, oder einkommensabhängig gestaffelt wird, wären zusätzliche Varianten.
  2. Die zunehmende Ausgabenlast der Kommunen, welche sich auch aus den steigenden Eigenanteilen der Pflegebedürftigen nährt, stellt ein echtes Problem für die bereits belasteten kommunalen Haushalte dar. Durch eine mit einer Begrenzung und Festlegung von Eigenanteilen ergäben sich hier ebenfalls Entlastungen.
  3. Die Grundlage der Finanzierung der Pflegeversicherung muss aufgrund der allein durch die Veränderung der demographischen Relation „Beitragszahler zu Beitragsempfängern“ zwingend verändert werden: Entweder eine Finanzierung aus Steuermitteln oder durch eine Ausweitung der Beitragsgrundlage über die reine Lohnabgabe hinaus (Erfassung sonstiger Einkünfte).
  4. Es gilt, so unangenehm dies sein mag, eine Prüfung und Bewertung der Leistungen aus der Pflegversicherung. Was ist die Kernaufgabe der Pflegeversicherung? Welche Leistungen müssen als Pflichtleistungen gesichert werden? Welche Leistungen sind auch als Eigenverantwortung der Altersvorsorge zu finanzieren, besonders in der Frage von Haushaltsleistungen und der allgemeinen Betreuung? In welchen Teilen muss private Vorsorge gefordert und gefördert werden?
  5. Müssen ggf. auch bestimmte Leistungen unter einen „Einwilligungsvorbehalt“ und eine „Indikationsstellung“ gestellt werden? Ist eine „Wahlfreiheit“ der Leistungen zwischen den Bereichen ambulant – teilstationär – stationär dauerhaft möglich, oder begrenzen allein Finanzierung und Verfügbarkeit hier nicht die Möglichkeiten? Wenn wir den Zugang zu den zunehmend knappen Ressourcen der Pflege nicht sinnvoll regulieren, wird dies die Notsituationen noch mehr ansteigen lassen.
  6. Die Unterhaltspflicht für Pflegebedürftige (Elternunterhalt) greift erst bei einem Jahresbruttoeinkommen der Kinder über 100.000 €. Diese Regelung wurde eingeführt, um Angehörige von Pflegedürftigen nicht zu belasten. Auch der Rückgriff auf vorzeitige Übertragungen von Vermögen wist auf eine Frist von zehn Jahren begrenzt. Beides könnte man auch als „Erbenschutzprogramm“ bezeichnen. Muss das eigene Vermögen nicht auch als Teil der Sozialen Vorsorge betrachtet werden? Und kann die Fürsorgepflicht für die eigenen Eltern tatsächlich auf eine bestimmte Einkommenshöhe begrenzt bleiben? Vor dem Hintergrund des Wandels in unserer Gesellschaft muss hier eine Diskussion erlaubt sein.

Um das System der sozialen Pflegeversicherung zu sichern, ist ein „Aussitzen“ der Probleme unmöglich. Diese werden uns dann später nur noch heftiger treffen. Natürlich haben alle Beteiligten eigene Interessen und Besitzstände – wir werden dies aber nicht alles bewahren können, wenn wir einen Zusammenbruch des Systems vermeiden wollen. Vielmehr bedarf es des Konsens: Die Pflege bedarfsgerecht und für alle sichern, indem alle einen angemessen und leistbaren Beitrag hierzu leisten.

Warum Altersarmut vor allem Frauen trifft

„Wenn das Geld nicht reicht – Altersarmut hat vorwiegend ein weibliches Gesicht“

Armut im Alter ist in Deutschland kein Randphänomen – sie betrifft immer mehr Menschen. Besonders Frauen sind überdurchschnittlich häufig betroffen. So lag die Armutsgefährdungsquote für Frauen ab 65 Jahren 2023 bei 20,8 %, gegenüber 15,9 % bei Männern derselben Altersgruppe.¹ Hinter diesen Zahlen verbergen sich Lebensgeschichten, die oft von Sorgearbeit, Teilzeit und Lücken im Erwerbsleben geprägt sind. Sabrina Exler, Leistungsbereichsleiterin Netzwerke und Senioren bei der Caritas Köln, stellt Hintergründe, Ursachen und Lösungsansätze näher vor.

Ein Beispiel (modellhaft): Was bleibt am Monatsende übrig?
Frau M. ist 74 Jahre alt. Sie war jahrzehntelang Verkäuferin, häufig in Teilzeit, weil sie sich um ihre Kinder und später um ihre pflegebedürftige Mutter kümmerte. Heute erhält sie eine gesetzliche Rente von 920 Euro brutto, nach Abzug der Kranken- und Pflegeversicherung bleiben ihr etwa 830 Euro netto.Die Miete für ihre kleine Wohnung beträgt 520 Euro, dazu kommen 120 Euro Nebenkosten und 50 Euro Strom. Für Lebensmittel, Medikamente, Kleidung, Mobilität und soziale Teilhabe bleiben ihr so rund 140 Euro – also weniger als 5 Euro pro Tag.

 

Selbst mit Grundsicherung: kaum Spielraum
Frau M. beantragt Grundsicherung im Alter. Diese ergänzt ihre Rente, sodass sie insgesamt auf etwa 1.080 Euro monatlich kommt. Nach Abzug der Wohnkosten (Miete, Nebenkosten, Strom) bleiben ihr rund 350 Euro für alle übrigen Ausgaben: Essen, Medikamente, Kleidung, Busfahrkarten, Telefon, Geschenke etc. Unerwartete Ausgaben (z.B. neue Brille, Heizkosten-Nachzahlung) bringen das ohnehin fragile Budget schnell ins Wanken. Trauer, Krankheit oder Einsamkeit sind in diesen Zahlen nicht berücksichtigt – ihre Auswirkungen verschärfen die Belastungen oft erheblich.

 

Warum sind Frauen im Alter stärker gefährdet?
Die strukturellen Ursachen:

  • Teilzeit und Minijobs: Frauen sind häufiger in schlecht bezahlten, prekären Beschäftigungsverhältnissen tätig.
  • Familienzeiten: Kindererziehung und Pflegearbeit werden nicht oder nur unzureichend rentenwirksam berücksichtigt.
  • Gender Pay Gap: Frauen verdienen im Schnitt rund 18 % weniger als Männer, was sich auch in geringeren Rentenansprüchen widerspiegelt.²
  • Erwerbsbiografien mit Unterbrechungen oder internationale Biografien: Wer Zeiten ohne Beitragspflicht hat, erhält weniger anrechenbare Versicherungszeiten, was die Rente verringert.

Die stille Scham
Viele ältere Frauen sprechen nicht über ihre Not. Scham – nicht vorgesorgt zu haben, um Hilfe bitten zu müssen – ist ein großes Hindernis. Der Gang zur Behörde oder zur Beantragung von Grundsicherung wirkt für viele wie ein persönliches Scheitern und nicht das, was es ist: ein gesellschaftliches Versagen.

Besonders schwierig – Migrationsbiografien

Für Frauen mit internationalen Biografien ist die Situation oft noch komplizierter:

  • Renten aus dem Herkunftsland lassen sich nicht immer vollständig in Deutschland anrechnen.
  • Sprachbarrieren, Informationsdefizite und vor allem komplexe Verfahren erschweren den Zugang zu Hilfen.
  • In manchen Kulturen ist die Inanspruchnahme staatlicher Hilfe besonders stigmatisiert.

So geraten gerade jene, die unter schwierigen Bedingungen ein neues Leben aufgebaut haben und häufig in systemrelevanten Berufen tätig waren, in eine besonders prekäre Lage.

Was zu tun ist:

  • Eine Rentenpolitik, die Sorgearbeit und Teilzeit stärker berücksichtigt
  • Niedrigschwellige Beratungsangebote ohne Stigmatisierung
  • Eine öffentliche Debatte, die strukturelle Ursachen benennt, statt Schuldzuweisungen in Richtung der Betroffenen

Altersarmut ist kein individuelles Versagen, sondern Ergebnis gesellschaftlicher Ungleichheiten.

Wie die Caritas Köln hilft:

Die Caritas Köln unterstützt ältere Menschen in akuter (auch finanzieller) Not mit niedrigschwelliger Beratung, Unterstützung bei Anträgen wie Grundsicherung oder Wohngeld oder bei der Organisation ihrer häuslichen Versorgung. Durch präventive Angebote wie Informationsveranstaltungen, frühzeitige Überleitung in Hilfs- und Unterstützungssysteme und kultursensible Angebote für Menschen mit Migrationsgeschichte hilft sie, finanzielle Risiken frühzeitig zu erkennen und zu reduzieren. Gleichzeitig stärkt sie soziale Teilhabe, fördert Netzwerke gegen Einsamkeit und setzt sich öffentlich für gerechtere Rahmenbedingungen ein, damit Altersarmut – insbesondere von Frauen – gar nicht erst entsteht.

 

 


 Quellenangaben

  1. „20,8 % der Frauen ab 65 gelten als armutsgefährdet, bei den Männern derselben Altersgruppe 15,9 %“ (Destatis / EU-SILC 2023)
  2. Aus den Alterseinkünften 2023: Frauen ab 65 erhalten jährlich im Schnitt ca. 18.663 Euro brutto, Männer 25.599 Euro – was einer Lücke von ~39,4 % entspricht (ohne Hinterbliebenenrenten)

 

Caritas Köln sagt Danke – Ein Fest für das Ehrenamt

von Simone Streif (Referentin Ehrenamt)

Für die Caritas Köln ist das Ehrenamt ein wichtiger Bestandteil ihres Wirkens. Freiwillig Engagierte setzen sich mit Herz, Zeit und Tatkraft für Menschen in unterschiedlichsten Lebenslagen ein. Um diesen Einsatz zu würdigen, lud die Caritas Köln zu einer zentralen Dankesfeier für ihre ehrenamtlichen Mitarbeitenden ein – und über 100 Engagierte aus den drei Geschäftsfeldern des Verbandes sowie der Kölsch Hätz Nachbarschaftshilfen folgten der Einladung in die Geschäftsstelle nach Ehrenfeld.

Nach einer längeren Pause seit der letzten verbandsübergreifenden Feier, war die Freude über die große Resonanz besonders spürbar. Vorstandssprecher Markus Peters und Simone Streif, Referentin Ehrenamt, begrüßten die Gäste herzlich und sprachen ihren tiefen Dank für das außergewöhnliche Engagement aus.

Über 1.000 Ehrenamtliche bei der Caritas Köln aktiv

Vorstandssprecher Markus Peters spricht beim Dankesfest für Ehrenamtliche

Vorstandssprecher Markus Peters bedankte sich in seiner Ansprache bei den über 100 Ehrenamtlichen für ihr Engagement.

Aktuell engagieren sich über 1.000 Menschen ehrenamtlich bei der Caritas Köln – in Altenzentren, sozialpsychiatrischen Einrichtungen, Beratungsstellen, als Sprachmittler*innen, in der Hospizarbeit, bei der Nachbarschaftshilfe Kölsch Hätz und vielen weiteren Bereichen. Die Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten zeigt die Stärke des Verbandes: Ehrenamt hat viele Gesichter und ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Caritas-Arbeit.

Organisiert wurde die Feier von Simone Streif aus der Stabsabteilung Engagement | Gesellschaft | Gemeinde, unterstützt von zahlreichen hauptamtlichen Kolleg*innen. Diese mixten alkoholfreie Cocktails, grillten Würstchen, dekorierten die Räume festlich und sorgten für einen reibungslosen Ablauf. Die Atmosphäre war geprägt von Austausch, Gemeinschaft und guter Laune – musikalisch begleitet von Svitlana Kavka, die auf ihrer Bandura auch kölsche Töne erklingen ließ.

Freude empfangen und weitergeben durch ehrenamtliches Engagement

Bereits bei der Anmeldung wurden die Ehrenamtlichen gefragt, was ihnen ihr Engagement bedeutet. Die Rückmeldungen wurden aufmerksam gelesen und als Girlanden ausgehängt. Viele der Ehrenamtlichen antworteten, dass sie durch ihr Ehrenamt Freude empfangen oder weitergeben – ein starkes Zeichen für die emotionale Bedeutung des freiwilligen Einsatzes. Diese Freude war auch in den Räumlichkeiten der Geschäftsstelle deutlich zu spüren. Ein weiteres zentrales Motiv war der Wunsch zu helfen:

  • um Verantwortung zu übernehmen,
  • um etwas zurückzugeben,
  • um sich sinnvoll einzubringen oder
  • um zu erleben, wie bereichernd das Engagement auch für einen selbst sein kann.

Zum Abschluss erhielt jede*r Ehrenamtliche eine kleine Aufmerksamkeit als Zeichen der Wertschätzung. Denn eines ist klar: Die Caritas Köln ist an 365 Tagen im Jahr dankbar für das, was ihre ehrenamtlichen Mitarbeitenden leisten.

Diese Veranstaltung wird in Erinnerung bleiben – als Ausdruck von Gemeinschaft und Motivation und als klares Signal: Der Caritasverband kann und will nicht ohne das Ehrenamt sein.

Sie möchten sich ebenfalls engagieren?
Dann besuchen Sie www.caritas-koeln.de/Ehrenamt und finden Sie das passende Ehrenamt für sich!

Menschen mit Würde und Potenzialen

Warum Vorurteile über Bürgergeld beziehende Personengruppen diskriminierend, faktisch falsch und kontraproduktiv sind

von Mathias Schnitzler, Pädagogische Fachkraft Arbeitsgelegenheiten
und Raoul Braus, Leitung Arbeitsmarktintegration im Caritasverband der Stadt Köln

Das Team der Arbeitsgelegenheiten (AGH) der Caritas Köln

Lobbyismus für die Langzeitarbeitslosen oder: keine Wertschätzung, keine Wertschöpfung

„Die sind faul“, „Sozial problematisch“, „Unflexibel und unmotiviert“. „Selber schuld!“ Und zur Belohnung, so hört man, bekämen sie für das Liegen in der sozialen Hängematte mehr Geld in die Taschen gesteckt, als manch hart arbeitender Mensch auf dem Lohnzettel hat.

Dies sind nur einige der gängigen Vorurteile gegenüber Personen im Bürgergeldbezug, insbesondere gegenüber langzeitarbeitslosen Menschen. Die sogenannten „Totalverweigerer“, die jetzt als bedrohliche Gespenster wieder in Politikerinterviews die Runde machen, sind in Wahrheit eine geringe Größe: Auf 14.000 bis 16.000 werden sie von der Arbeitsagentur beziffert – deutschlandweit. 74% der Bürgergeld beziehenden Menschen wollen laut einer Studie des Sozialverbands VdK so schnell wie möglich wieder in eine existenzsichernde Arbeit wechseln.

Kampf für eine wertschätzende Förderung

In der Einrichtung Arbeitsmarktintegration, mit vielen Maßnahmen und Projekten zur Berufsberatung und insbesondere im Team der Arbeitsgelegenheiten (AGH) begegnen uns diese Themen tagtäglich und wir kämpfen seit vielen Jahren für eine wertschätzende, ressourcen- und lösungsorientierte Förderung von arbeitssuchenden Menschen.

Mathias Schnitzler, Pädagogische Fachkraft Arbeitsgelegenheiten und Raoul Braus, Leitung Arbeitsmarktintegration

Doch auch diejenigen, die sich zunächst noch sträuben, die Ängste, Einschränkungen oder Erkrankungen haben, sind Menschen mit Potenzialen. Statt Schuldzuweisungen und Rufen nach härteren Sanktionen, sollten wir auf positive Anreize setzen und gemeinsam mit ihnen nach Lösungen suchen.

Diese Menschen, denen wir als Individuen und auf Augenhöhe begegnen, leiden unter den Vorurteilen, die als psychische Belastung zu den Gründen für ihre Arbeitslosigkeit noch hinzukommen: Sehr viele unserer Klient*innen haben gesundheitliche Einschränkungen und Schwerbehinderungen. Alleinerziehenden fehlt die Kinderbetreuung, anderen eine Schul- und Ausbildung oder Qualifikation. Auch das Alter und die Sprachkenntnisse spielen eine Rolle, viele haben multiple Hemmnisse, für die es immer weniger Förderungen und Angebote gibt, da diese gekürzt wurden oder keine Kapazitäten haben.

Chancen für die Zukunft – Forderungen zur Förderung!

In der aktuellen Debatte um das Bürgergeld wünschen wir uns eine differenzierte und realitätsnahe Perspektive der betroffenen Personen und eine lösungsorientierte Sichtweise für die Arbeitsmarktförderung.

Die anstehenden Kommunalwahlen sehen wir als Chance, hier wichtige Schritte in eine ziel- und ressourcenorientierte Arbeitsmarktförderung einzuschlagen. Dafür fordern wir:

  • Langfristigere gesicherte Maßnahmen der Arbeitsmarktintegration
  • Ausweitung der Instrumente zur nachhaltigen beruflichen Integration von Langzeitarbeitslosen Menschen (z.B. Arbeitsgelegenheiten erweitern und über mehrere Jahre beauftragten, §16i Förderungen)
  • Förderungen von beruflichen Qualifikationen/ Weiterbildungen die nachhaltig wirken (keine kurzfristigen Vermittlungen)
  • Abbau von bürokratischen Verwaltungsprozessen für Leistungsbezieher*innen und für die Träger
  • Direkte und transparentere Kommunikation zwischen den Behörden und Trägern (Arbeitsverwaltung, Ausländerämter und Trägern etc.)
    • Zusammenlegung in der Leistungs- und Einkommensprüfung
  • Wertschätzende Debatte und zugleich eine fordernde sowie fördernde Haltung gegenüber Menschen mit Unterstützungsbedarf, insbesondere Langzeitarbeitslosen Menschen

Idylle und Zerstörung

Auswirkungen des „globalen Goldhungers“ und Hoffnungsschimmer

– eine Pressereise in das Amazonasgebiet Perus

von Marianne Jürgens, freie Journalistin (ehemals Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Caritasverband Köln), Juni 2025 – Titelbild: Carolin Kronenburg/Caritas international

Auf den ersten Blick eine Idylle: Sanft gleitet unser kleines flaches Boot über den Rio Madre de Dios und den Rio de la Piedra, Nebenflüsse des Amazonas in Peru. Am Ufer blicken wir auf üppigen Regenwald. Schnell ändert sich das Bild. Mehrere große Brachflächen, die Spuren illegaler Goldminen und der damit verbundenen Abholzung werden sichtbar. Auf einer Pressereise der GkP (Gesellschaft katholischer Publizistinnen und Publizisten) mit Caritas international sind wir im Amazonasgebiet zur indigenen Dorfgemeinschaft Boca Pariamanu unterwegs, die nur mit dem Boot nach anderthalbstündiger Fahrt zu erreichen ist

Mit einem dieser Boote zur indigenen Dorfgemeinschaft, Foto: Marianne Jürgens

Die sich zuspitzende Ökokatastrophe im Amazonasgebiet, der Kahlschlag im Regenwald, die Vergiftung großer Landstriche durch Einsatz von Quecksilber bei illegaler Goldschürfung und Vernichtung der Artenvielfalt: Auch in deutschen

Foto: Carolin Kronenburg/Caritas international

Medien wird regelmäßig berichtet, wie dadurch der Lebensraum der indigenen Bevölkerung vernichtet und die Klimaerwärmung weltweit beeinflusst wird.

Humanitäre Hilfe der Caritas und Projekte zur Bewältigung der Klimakrise

Humanitäre Hilfe der Caritas ist nicht zu trennen von Projekten zur Bewältigung der Klimakrise, hat diese doch unmittelbare Auswirkungen auf das Überleben und die Lebensqualität der Menschen. Wir lernen von Caritas Deutschland und der Caritas vor Ort initiierte und geförderte Projekte für den Erhalt des empfindlichen Ökosystems im Amazonasgebiet kennen, die Alternativen und Problemlösungen aufzeigen und sich für die Rechte der indigenen Völker einsetzen.

Für ein resilientes Amazonien

Über Ländergrenzen hinweg entwickeln indigene Gemeinschaften im Amazonasgebiet im Projekt „Nachhaltiges Amazonien – Resiliente Gemeinschaften“ (vom BMZ/Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und Caritas Deutschland finanziert) in gemeinsamen Schulungen und Workshops, wie sie mit ihrem Wissen Artenvielfalt erhalten und sich verschiedene Erwerbsquellen erschließen können. Das soll den Verbleib in ihrem Territorium und den Schutz des Regenwaldes sichern. Viktor Ore/Projektkoordinator bei Caritas Peru und Laura Ramirez/Caritas Madre de Dios hoffen, dass die Erfolge, wie wir es am Beispiel der Dorfgemeinschaft Boca Pariamanu erleben, auch die Geldgeber des Projektes überzeugen und es über das geplante Ende 2026 hinaus fortgesetzt wird. Begleitet wird das praxisorientierte Projekt von politischer Lobbyarbeit zu Umwelt- und Landrechten sowie Unterstützung bei Rechteverletzungen.

Empfang im Dorf Boca Pariamanu, Foto: Marianne Jürgens

Angekommen in Boca Pariamanu hört es auf zu regnen, die Sonne bricht durch. 20 Familien mit 52 Erwachsenen und 100 Kindern vom Volk de Amahuaca leben hier auf einem großen Gelände in Hütten, erbaut mit dem Holz aus dem Regenwald und Dächern von geflochtenen Palmblättern. In der Versammlungshalle erwartet uns in der Mitte ein Tisch, gefüllt mit exotischen Pflanzen und Früchten. Die Präsidentin der

Foto: Carolin Kronenburg/Caritas international

Trocknung der Kakaobohnen vor Weiterverkauf, Foto: Marianne Jürgens

Dorfgemeinschaft erklärt uns, wie das Zusammenleben und die Arbeit in der Gemeinschaft organisiert sind. Unterschiedliche Arbeitsgruppen widmen sich dem Anbau und der Ernte, sowie weiteren Erwerbsquellen wie kunsthandwerklichem Schmuck aus Samen und Früchten, die sich im Regenwald finden.  Bei einem Rundgang durch den Wald sehen wir die traditionellen Heilpflanzen, Kakaoplantagen, Maisanbau, Bienenstöcke, agroökologische Mischparzellen und Kastanienproduktion. Der ökologische Anbau von Kakao bietet inzwischen eine echte alternative Einkommensquelle zum Goldschürfen, denn der Kilopreis hat sich in den letzten zwei Jahren mehr als verdreifacht.

Angestrebt wird die überwiegend autarke Versorgung der Familien mit Lebensmitteln, außerdem fließt ein Teil des Verkaufs, zum Beispiel der Kastanien, in die Gemeinschaftskasse.

Jane del Castillo Ramirez, Foto: Carolin Kronenburg/Caritas international

Bevor wir wieder die Rückfahrt mit dem Boot antreten, bewundern wir den Schmuck aus rein organischem Material. Jane del Castillo Ramirez stellt uns das

Kunsthandwerk vor, in dem 15 Frauen des Dorfes seit drei Jahren arbeiten. Gekrönt wurde ihr Erfolg mit dem Gewinn eines Wettbewerbs. Das Preisgeld in Höhe von umgerechnet rund 14.400 Euro investierten die Frauen wieder in Produktionsräume und Aufforstung.

Seit Dezember 2023 haben die indigenen und traditionell lebenden Familien in Boca Pariamanu konsequent das Konzept agroökologischer Mischparzellen umgesetzt und Erwerbsquellen weiter entwickelt. Die sichtbaren Erfolge lassen sie trotz der Bedrohung ihres Lebensraums positiv in die Zukunft blicken.

„Territorium ist Identität“

Präsident Alfredo Vargas Pio, Foto: Marianne Jürgens

Der Verband FENAMAD bündelt die Interessen von 38 indigenen Dorfgemeinschaften im Gebiet Madre de Dios. Präsident Alfredo Vargas Pio vom indigenen Volk der Shipibos bringt die aktuelle Situation in einem Gespräch mit uns am Vorabend auf den Punkt: „Die Verfolgung Indigener hat zugenommen. Der Staat definiert die Konzessionen für Minen und Holzabbau, aber kümmert sich nicht um die Gebietsansprüche der Indigenen.“ Die Regionalregierung verkaufe den Abbau der vielen Bodenschätze und Ölvorkommen im Gebiet Madre de Dios als Fortschritt und fordere von den Indigenen das Abtreten von Land. Auf nationaler Ebene werden die Rechte der Indigenen missachtet, aber auf internationaler Ebene erfahren sie Unterstützung, unter anderem von Deutschland und den Niederlanden. „Wir wollen unser Wissen über Natur, das Erbe der Vorfahren als wichtige Lebensgrundlage für die Menschheit bewahren und weitergeben.“

Kelly Olivo Rengifo (Mitte), Foto: Marianne Jürgens

Kelly Olivo Rengifo vertritt die Interessen junger indigener Studentinnen und Studenten. Sie betont den Stellenwert von Bildung, um die eigenen Rechte vertreten zu können und dankt Kirche und Caritas für deren Unterstützung und die Möglichkeit, sich weiter zu entwickeln. Von Papst Leo XIV. erhofft sie, dass er das Erbe von Papst Franziskus, der 2018 das Amazonasgebiet besuchte, fortsetze und Druck auf die peruanische Regierung ausübe. „Territorium ist Identität“, sagt sie. „Es gibt eine historische Schuld gegenüber den Indigenen, die beglichen werden muss.“ Sie blickt nach vorne: „Als Jugendorganisation verfolgen wir das Ziel, unternehmerisch erfolgreich zu werden. Dabei wollen wir Traditionen mit neuen Ideen verknüpfen.“ Sie nennt ein Beispiel: „Shampoos werden mit traditionellen Rezepten der Indigenen hergestellt. Bestimmte indigene Muster setzen wir für angesagte Produkte ein.“

Innovatives Wissenschaftsprojekt für Aufforstung und Regeneration zerstörter Gebiete im Amazonas

Am nächsten Tag will ein Teil unserer Gruppe das wissenschaftlich fundierte Aufforstungsprojekt der NGO CINCIA (=Centro de Innovacion Cientifica Amazonica; CINCIA – Centro de Innovación Científica Amazónica) in der ehemaligen illegalen Bergbauzone „La Pampa“ mitten im Regenwald besuchen. Seit die staatliche „Operation Quecksilber“ 2019 illegale Goldminen in „La Pampa“ zerstörte und Goldschürfer vertrieb, wird das Areal durch Militär abgesichert. Trotzdem kommt es hier immer wieder zu Zusammenstößen. Illegale Goldschürfer weichen inzwischen auf Gebiete der Indigenen und Naturschutzflächen im Department Madre de Dios aus. Die von unterschiedlichen Regierungsbehörden mit verschuldeten Nutzungskonflikte führten zu 3596 Klagen gegen illegale Goldschürfer. Aber unter Druck der im Kongress stark vertretenen Interessensgruppen des Bergbaus erließ Perus Präsidentin Dina Boluarte 2024 eine Rechtsverordnung zur Ausweitung der Straffreiheit für die illegalen Unternehmen. Es wurde sogar ein Korridor eingerichtet, in dem Einzelpersonen und kleinen Bergbauunternehmen das illegale Schürfen erlaubt ist.

„Cargueros“, Foto: Christoph Arens/KNA

Wir starten vom Militärstandort „Grau“ nahe der neuen Verbindungsstraße „Interoceanico“, die Peru mit Brasilien verbindet. Eine anderthalbstündige Fahrt auf „Cargueros“, kleinen Geländefahrzeugen, auf deren Ladefläche wir uns stehend immer wieder unter überhängenden Zweigen und Ästen ducken, soll uns zu dem streng bewachten Wiederaufforstungsgelände Alfa Balata bringen. Begleitet werden wir von jungen Soldaten als Personenschutz, die sich vermummen und mit Waffen ausrüsten.

Unsere Personenschützer, Foto: Marianne Jürgens

Nach kurzer Strecke durch intakten Regenwald erreichen wir nach Überqueren einer schmalen Brücke mit losen Holzlatten das erste abgeholzte Gelände, – eine Sandwüste, die der illegale Bergbau hinterlassen hat.  Am Rande der Piste beobachten uns junge Männer auf Geländemotorrädern. Schließlich stoppt unser Konvoi in einem Waldstück. Es habe eine Schießerei wenige Hundert Meter entfernt zwischen Polizei und illegalen Minenarbeitern mit einem Verletzten gegeben, heißt es. Der Militärkommandant fürchtet die Rache der Bergbauarbeiter und im schlimmsten Fall eine Entführung von uns Deutschen. Da er nicht für unsere Sicherheit garantieren könne, müssen wir umkehren. Zurück in der Militärbasis spekulieren wir, was wirklich passiert ist, die Wahrheit können wir nicht ergründen.

Foto: Christoph Arens/KNA

Foto: Christoph Arens/KNA

 

So werden wir leider nicht, wie ursprünglich geplant, selbst einen Baum im Regenwald pflanzen und uns ein eigenes Bild von den Erfolgen des Aufforstungsprojektes machen können.

Das Wissenschaftsprojekt von CINCIA wird getragen von einer breiten Basis von Unterstützern, darunter US Aid und Wake Forest University, und von der guten Kooperation mit dem Militär vor Ort. Für das 30-köpfige Expertenteam ist es existenziell wichtig, unermüdlich Öffentlichkeit dafür zu schaffen, was sie dort eigentlich tun und welche Erfolge sie erzielen.

Cesar Ascorra/Projekt CINCIA links, Foto: CINCIA

Cesar Ascorra, CINCIA-Nationaldirektor für Peru, erklärt uns das Vorgehen: Im ersten Schritt dokumentierte das Wissenschaftsprojekt mit Hilfe von Drohnenaufnahmen und Laboruntersuchungen die Folgen des illegalen Bergbaus im Gebiet „La Pampa“, die Größe des Brachlandes mit der Vernichtung der Artenvielfalt und die Quecksilber-Verseuchung von Wasser, Land und Tieren. Im Anschluss wurden möglichst resistente Setzlinge, Substrate und organische Dünger für die Pflanzung produziert und in die Erde gebracht. Rund 70.000 Setzlinge wurden bereits gepflanzt. „Das dritte Modul beinhaltet die Beobachtung, wie sich Flora und Fauna entwickeln.“ Vorher-Nachher-Aufnahmen zeigen beeindruckende Fortschritte des Projektes. Inzwischen beteiligen sich auch Soldaten der Militärbasis, die das Gebiet absichert, an der Bepflanzung. 174 Militärangehörige wurden 2024 in Aufforstungstechniken an der National Amazon University of Madre de Dios geschult.

Aufforstung im Regenwald, Foto: CINCIA

 

Modellhaft zeigt dieses wichtige, wegweisende Projekt, wie eine Aufforstung mit resistenten Pflanzen und eine Renaturierung gelingen kann, und welche Rahmenbedingungen notwendig sind, um die Ergebnisse auf das gesamte Amazonasgebiet übertragen zu können.

„Sauberes Gold“

Sauberes Gold, Foto: Marianne Jürgens

Gegenüber des Militärstandortes „Grau“ demonstriert uns die handwerkliche Produktionsgemeinschaft AMATAF (Association de Mineros Artesanales Tauro Fatima), wie sich Gold ohne Quecksilber gewinnen lässt. Eine Rüttelmaschine filtert unter Zugabe von Wasser aus dem geförderten Schlamm feinen Goldstaub heraus, der anschließend für den Weiterverkauf zu kleinen Goldklumpen geschmolzen wird. Im Oktober 2023 wurde das Pilotprojekt für seine erste fair produzierende Goldlieferkette in der Region zertifiziert. Herausforderungen sind allerdings die Vermarktung des „sauberen“ Goldes und Gewinnung verantwortungsbewusster Käufer. In der Region Madre de Dios sind rund 50.000 Menschen direkt vom Kleinbergbau abhängig, schätzt Caritas international. Zukunftsvision ist es, viele weitere Bergleute für die umweltbewusstere Goldschürfung zu gewinnen. Die Projektverantwortlichen sind sich einig: Das kann nur gelingen, wenn alle zusammenarbeiten, die Goldschürfer, die Regierung, die Juweliere und die Konsumenten.

„Schmutziges Gold“ – Was tun?

Peru ist der bei weitem größte Goldexporteur Lateinamerikas, bei rund 50% lässt sich der Ursprung des Goldes nicht nachweisen, so eine Studie investigativer Journalist*innen (www.convoca.pe). Gerade im Gebiet Madre de Dios breiten sich die illegalen Minen, verantwortlich für Abholzung und Verseuchung der Umwelt mit Quecksilber, immer weiter aus. Ursachen sind der wachsende „globale Goldhunger“ und der steigende Goldpreis. Auch die Fertigstellung der Verbindungsstraße „Interoceanica“ zwischen Peru und Brasilien erleichtert den illegalen Transport aus den vorher nur schwer zugänglichen Gebieten.Staatliche Verbote zeigen wenig Wirkung und werden nicht mit genügend Nachdruck durchgesetzt. Hier steht die in Peru weit verbreitete Korruption im Wege, und eine Regierung und Präsidentin, denen nachgesagt wird, ebenfalls tief darin verstrickt zu sein.

Auf der Interoceanica entlang der illegalen Goldminen, Foto: Carolin Kronenburg/Caritas international

Ein 18-köpfiges Journalistenteam des grenzüberschreitenden Investigativnetzwerkes OjoPublico hat aufgedeckt, dass in einem Jahrzehnt mehr als 3000 Tonnen hochreines Gold aus illegalem Bergbau exportiert wurde und vor allem Unternehmen aus Indien und den Vereinigten Arabischen Emiraten beteiligt sind. Sie recherchierten die komplexen Wege, „schmutziges“ Gold reinzuwaschen, die eine Rückverfolgung der Lieferketten kaum mehr möglich macht und illegales Gold in die legale Wirtschaft überführt.

Auch wenn Gold nach wie vor als sichere Wertanlage geschätzt wird, „ein ethisch unbedenkliches Investment in Gold gibt es nicht“, vertritt die „Kampagne Bergbau Peru (www.kampagne-bergbau-peru.de). Wer nicht auf Gold verzichten wolle, müsse zumindest auf eine glaubwürdige Zertifizierung von Gold achten oder bei der Herstellung von Schmuck auf Recycling zurückgreifen, so der Appell der NGO.

Problemlösungen für die Umweltkatastrophe im Amazonasgebiet können nur gemeinsam auf internationaler Ebene vorangetrieben werden, schließlich ist die Weltgemeinschaft an den Ursachen durch wirtschaftliche Interessen („Rohstoffhunger“) unmittelbar beteiligt. Auch die Auswirkungen des Klimawandels machen nicht an Ländergrenzen halt.

Caritas engagiert sich weltweit mit vielen praktischen Projekten an der Bewältigung der Klimakrise. In Peru konnten wir auf unserer Pressereise unmittelbar vor Ort erfahren, wie sehr konkrete Maßnahmen das Leben der Menschen dort verbessern.

Jede Unterstützung für die humanitäre Hilfe und das Engagement für innovative Klimaschutzprojekte der Caritas in Peru ist willkommen.

Spendenkonto: Caritas Deutschland/Caritas international, SozialBank,
IBAN: DE88 6602 0500 0202 0202 02, Verwendungszweck: Peru CY00107

60 Jahre Casa Italia: Gelebte Vielfalt, gewachsene Identität

„Noch immer in den Kinderschuhen“ – und doch unverzichtbarer Bestandteil einer diversen Stadtgesellschaft:

Die bilinguale Kindertagesstätte Casa Italia feiert ihr 60-jähriges Bestehen – ein Jubiläum, das weit mehr ist als nur ein Blick zurück. Es ist ein Anlass, eine Institution zu würdigen, die seit sechs Jahrzehnten Brücken baut: zwischen Sprachen, zwischen Kulturen, zwischen Vergangenheit und Zukunft.

Über 2000 Kinder haben in der Casa Italia ihre ersten Schritte in eine Gesellschaft gemacht, die selbst im Wandel war – und es bis heute ist. Was 1965 als Unterstützung für Kinder italienischer Gastarbeiter*innen begann, ist heute ein lebendiges Modell für pädagogische Konzepte im Zeichen der postmigrantischen Gesellschaft. Denn Casa Italia hat sich nicht nur weiterentwickelt – sie ist ihrer Grundhaltung treu geblieben: Vielfalt ist kein Defizit, sondern ein Versprechen.

Gegründet vom Caritasverband Köln und getragen vom St. Elisabeth-Jugendheim e.V., reagierte die Einrichtung früh auf die sozialen Herausforderungen von Migration, Arbeitsmigration und Wohnraummangel. Die Entscheidung, 1980 auf ein bilinguales Konzept umzustellen, war mehr als eine didaktische Strategie – sie war ein Bekenntnis zur Anerkennung von Herkunft, Sprache und kultureller Prägung.

Diese Haltung – damals innovativ, heute hochaktuell – entspricht in vielerlei Hinsicht den Grundgedanken postmigrantischer Theorien, wie sie etwa von Naika Foroutan oder Mark Terkessidis formuliert wurden. In der Casa Italia wird täglich erfahrbar, dass gesellschaftliche Teilhabe nicht erst mit der „Anpassung“ beginnt, sondern mit Anerkennung. Es geht nicht um ein Entweder-oder, sondern um ein Sowohl-als-auch: Kinder lernen hier, sich in mehreren kulturellen und sprachlichen Räumen gleichzeitig zu bewegen – ohne ihre Identität aufgeben zu müssen.

Sprache als soziale Praxis – nicht als Hürde

Die Einrichtung folgt dem Prinzip „Eine Sprache – eine Person“, das wissenschaftlich belegt wurde, unter anderem in einer Evaluation der Universität zu Köln. Dieses Modell erlaubt es Kindern, beide Sprachen – Deutsch und Italienisch – auf natürliche Weise im Alltag zu erleben, ohne sie gegeneinander ausspielen zu müssen. Der authentische Sprachkontakt ist dabei nicht Selbstzweck, sondern Mittel zur Förderung von Selbstbewusstsein, Zugehörigkeit und Ausdrucksfähigkeit. Sprache wird nicht als Barriere verstanden, sondern als Medium der Weltaneignung.

Eine deutsch-italienische Brücke in einer pluralen Gesellschaft

Trotz der Öffnung gegenüber Kindern aus vielen Nationen ist die Casa Italia bis heute ein Ort geblieben, an dem die deutsch-italienische Kulturbeziehung bewusst gepflegt wird. Hier lebt die Erinnerung an eine erste große Einwanderungsgeschichte in der Bundesrepublik, an die Lebensrealitäten der sogenannten „Gastarbeitergeneration“ – nicht als museale Folklore, sondern als gelebtes Kulturerbe. Feste, Rituale, Literatur, Musik und das tägliche Miteinander tragen dazu bei, dass diese Brücke nicht nur erhalten bleibt, sondern immer wieder neu begangen wird – auch von Kindern, die selbst keine italienische Herkunft haben.

Gerade diese bewusste Balance zwischen Kontinuität und Öffnung macht die Casa Italia so besonders: Sie ist sowohl Lernort als auch Erinnerungsort, sowohl Kulturvermittlerin als auch Bildungsakteurin im Heute. In einer Stadt wie Köln – seit jeher geprägt durch Migration, Urbanität und Diversität – zeigt sich hier beispielhaft, wie pädagogische Institutionen gesellschaftlichen Wandel mitgestalten können, ohne dabei ihre Identität zu verlieren.

Vielfalt ist Alltag – und Haltung

Heute ist die Kita ein Raum gelebter Inklusion: Kinder mit und ohne Migrationsgeschichte, mit und ohne Behinderung, unterschiedlicher Religionen und familiärer Hintergründe lernen und wachsen hier gemeinsam auf. Diese Vielfalt ist kein Zusatzprogramm, sondern Grundprinzip. Die Arbeit der Casa Italia basiert auf der Überzeugung, dass eine solidarische Gesellschaft dort beginnt, wo jedes Kind so angenommen wird, wie es ist – mit all seinen Sprachen, Geschichten und Perspektiven.

Wenn wir auf sechs Jahrzehnte Casa Italia zurückblicken, dann sehen wir nicht nur die Entwicklung einer Einrichtung, sondern ein Stück gelebter Stadtgeschichte. Wir sehen, wie Bildungsorte zur sozialen Infrastruktur werden, wie pädagogische Praxis gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht – und wie aus einem Kita-Konzept ein Beitrag zur sozialen Gerechtigkeit wird.

In einer Zeit, in der sprachliche und kulturelle Vielfalt politisch wieder vermehrt infrage gestellt wird, setzt die Casa Italia ein Zeichen: für Offenheit, für Respekt – und für die tiefe Überzeugung, dass Sprache nicht trennt, sondern verbindet.

 

Autoren: Maria Lamaina und Guido Geiss

 

 

Nachgefragt: Wie steht es um die Pflege in Köln, Herr Peters?

Die Pflege in Köln steht unter Druck: Der demografische Wandel trifft auf zu wenig Plätze, zu wenig Personal und steigende Anforderungen. Markus Peters, Sprecher des Vorstandes der Caritas Köln, erklärt im Interview, warum Integration dabei ein Schlüssel ist, welche Rolle die Caritas übernimmt und was es braucht, damit Pflege in Köln zukunftssicher gelingen kann.

Pflegenotstand, Personalmangel, Finanzierungslücken – und ein demografischer Wandel, der immer spürbarer wird. Wie kann Kölns Altersversorgung langfristig gesichert werden?

Die Herausforderung ist auch in Köln längst angekommen. Mit nur 11,4 stationären Pflegeplätzen je 100 ältere Bürger liegt die Stadt deutlich unter dem Bundes- (14,4) und Landesschnitt (13,7). Im Jahr 2024 gab es 93 stationäre Pflegeeinrichtungen – zu wenig, um den tatsächlichen Bedarf zu decken. Schätzungen zufolge fehlen rund 4.000 Plätze, um die heutige bereits unterdurchschnittliche Versorgungsquote zu halten. Um diese Lücke zu schließen, wären rund 40 Neubauten erforderlich. Doch: Neubauten allein werden es nicht richten – dafür fehlen nicht nur Mittel und Bauland, sondern vor allem auch Pflegekräfte.

Darum setzen wir als Caritas Köln auf einen breit angelegten Ansatz, wie er auch in unserer strategischen Ausrichtung festgeschrieben ist: Wir wollen unsere stationären Kapazitäten maßvoll erweitern – zum Beispiel mit einem Neubauprojekt in einem bislang unterversorgten Stadtteil wie Köln-Ossendorf. Gleichzeitig prüfen wir Erweiterungen an bestehenden Standorten – etwa am Caritas-Altenzentrum St. Heribert in Deutz. Dort könnten fünf zusätzliche Pflegeplätze entstehen, wenn bürokratische Hürden gemeinsam mit der Stadt überwunden werden können.

Aber eines ist klar: Der Bau neuer Plätze allein wird das Problem nicht lösen. Für jeden Platz braucht es im Schnitt eine halbe Pflegekraft – für 4.000 Plätze wären das 2.000 zusätzliche Fach- und Hilfskräfte. Angesichts des leergefegten Arbeitsmarkts ist das schlicht unrealistisch.

Deshalb denken wir weiter. Neben Neubauten setzen wir auf ein abgestimmtes Konzept aus Erweiterungen, ambulanten Angeboten und quartiersnaher Unterstützung. Unser Ziel: Menschen so lange wie möglich ein selbstständiges Leben in den eigenen vier Wänden ermöglichen – mit ambulanter Pflege als Brücke, wo nötig. Denn diese benötigt weniger Personal als stationäre Versorgung.

Unser Fazit: Nur durch eine clevere Kombination aus stationärer Erweiterung, ambulanter Stärkung und niedrigschwelligen Angeboten vor Ort lässt sich die Pflege zukunftssicher gestalten.

 

Welche Rolle spielt die Caritas Köln im Bereich Alter und Pflege innerhalb der Stadtgesellschaft?

Die Caritas ist mehr als ein Träger – wir sind Teil der Stadtgesellschaft und historisch eng an die Kirchengemeinden geknüpft. Anders als große Investoren oder überregionale Anbieter sind wir daher in Köln verwurzelt. Wir kennen die Stadt, die Bezirke und Veedel, die Menschen und ihre Bedürfnisse.

Als einziger Träger in Köln bieten wir eine flächendeckende und quartiersnahe Versorgung – von der Beratung über die ambulante Pflege bis zur stationären Versorgung. Dazu gehören auch Tagespflege, Hausnotruf, Alltagsbegleitung, Hospizarbeit und Netzwerkarbeit in den Stadtteilen. Zugleich ist unser Engagement im Bereich des Ehrenamts ein wichtiger Baustein, z. B. die Kölsch Hätz Nachbarschaftshilfen oder die Freiwilligenagentur Mensch zu Mensch. Hier beraten, begleiten und vermitteln wir Menschen, die sich ehrenamtlich für (ältere) Menschen in Köln einsetzen möchten. Das Ehrenamt ist ein wichtiger Faktor, um die angesprochenen Herausforderungen überhaupt bewältigen zu können. Darüber hinaus sind wir auch über die Mitarbeit in Gremien, Arbeitsgemeinschaften und Ausschüssen in der Sozial- und Kommunalpolitik aktiv, um gute Bedingungen für die sozialen Träger und ihre Klient*innen zu erwirken.

Diese einzigartige Vielfalt über das gesamte Stadtgebiet hinweg macht uns zu einem verlässlichen Partner für die Menschen in Köln – und zu einem tragenden Pfeiler der sozialen Infrastruktur.

 

Wie gut sind Träger wie die Caritas Köln auf die wachsenden Anforderungen in der Pflege vorbereitet – und was brauchen sie von Politik und Verwaltung?

Mit Blick auf die Verwaltung und Politik vor Ort in Köln wünschen wir uns, dass die Verantwortlichen sich als aktive Gestalter der Rahmenbedingungen für eine gute Pflege verstehen. Bauvorhaben für Pflegeheime müssen vereinfacht, Bauflächen bereitgestellt werden. Auch eine Bindung von freien Grundstücksflächen für soziale Zwecke ist mehr als überfällig. Für das Feld der offenen Seniorenarbeit und Beratung ist eine dauerhafte Finanzierung vonnöten, zur Entlastung und Teilhabe aller älteren Menschen mit und ohne internationale Familiengeschichte.

Der Bürokratieabbau ist in aller Munde, stellt im Pflege- und Gesundheitssektor aber ein reales Hindernis dar. Hier sind beispielsweise für wenige zusätzliche Plätze wie im Altenzentrum in Deutz komplexe Genehmigungs- und Abstimmungsverfahren notwendig – inklusive Ausnahmen von Vorschriften, die für die Nutzer*innen kaum relevant sind. Diese Prozesse können demotivierend wirken. Selbst wenn alle formalen Hürden genommen sind, dauert die Umsetzung oft zwei bis drei Jahre. Hier könnten Stadt und Landschaftsverband durch aktive und progressive Verfahren Abhilfe schaffen.

Zum Thema Personal: Unsere Pflegeeinrichtungen leben von den Mitarbeitenden – und diese sind bunt und vielfältig, was Religion, Kultur und Herkunft betrifft. Ohne Menschen, die aus beruflichen Gründen zuwandern, könnten wir den Betrieb nicht aufrechterhalten. Doch die Verfahren zur Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis sind oft hinderlich. Selbst gut integrierte Mitarbeitende müssen ihre Tätigkeit unterbrechen, weil Behörden aufgrund von Bearbeitungsstaus keine rechtzeitigen Bescheide ausstellen.

Ein weiteres Beispiel: die überbordende Dokumentationspflicht. Zwar haben wir durch Digitalisierung viel erreicht, doch noch immer gibt es absurde Vorgaben – etwa manuelle Werterfassungen bei selbstprüfenden Geräten. Unser interner Aufwandsschätzwert: Rund zehn Prozent der Arbeitszeit gehen für vermeidbare Dokumentation drauf – das entspricht vier Vollzeitstellen in einer 80-Plätze-Einrichtung.

Hier braucht es endlich mutige Entlastung – durch digitale Lösungen, reduzierte Anforderungen und mehr Vertrauen in die Träger.

 

Gute Pflege braucht gutes Personal. Was tut die Caritas Köln, um Pflegekräfte zu gewinnen und zu halten?

Wir sind stolz auf unsere Mitarbeitenden – und besonders auf die hohe Zahl älterer Pflegekräfte, die bei uns bis zur Rente arbeiten. Natürlich ist der Job anspruchsvoll. Aber wir bieten auch verlässliche Bedingungen: Die Bezahlung nach AVR-Tarif hat sich überdurchschnittlich entwickelt. Zwischen 2015 und 2023 stiegen die Löhne in der Altenpflege um über 50 %. Zum Vergleich: Der bundesweite Schnitt lag bei 23 %.

Unsere stationären Einrichtungen werden neu organisiert: Ziel ist es, die Betreuung der Bewohner*innen zu verbessern und gleichzeitig die Arbeitsbedingungen für das Personal zu erleichtern. Kern der neuen Personalbemessung ist ein kompetenzzentrierter Ansatz: Nicht alle Mitarbeitenden übernehmen alle Aufgaben. Je nach Pflege- und Betreuungsbedarf werden die Bewohner*innen von der jeweils richtigen Fachperson aus unseren Teams betreut: Hauswirtschaftliche Tätigkeiten werden z. B. von Präsenzkräften übernommen – so kann sich die Pflege auf Pflege konzentrieren. Zudem nutzen wir mithilfe von Assistenzsystemen, Dokumentationsapps oder digitaler Medikamentenversorgung die Chancen von Digitalisierung – zur Entlastung des Pflegepersonals und um die Selbständigkeit der Pflegebedürftigen zu erhöhen.

Motivation wird bei uns belohnt – zum Beispiel über unsere „Value App“. Wer für Kolleg*innen einspringt, sammelt Punkte, die sich in Freizeitgutscheine oder Kinotickets umwandeln lassen.

Ein weiterer Schlüssel: Ausbildung. Mit dem neuen Caritas-Bildungszentrum in Köln-Hohenlind haben wir Raum für 252 Auszubildende geschaffen. Ergänzend bietet unsere neue Azubi-Werkstatt in Köln-Niehl Raum für Workshops, Lernformate und persönliche Beratung. So sichern wir die Zukunft unserer Pflege.

 

Migration gilt als Schlüssel zur Zukunft der Pflege. Wie wichtig ist das Thema für die Caritas Köln – und wie gelingt Integration in der Praxis?

Ohne Zuwanderung wird der wachsende Pflegebedarf nicht zu decken sein. Die Zahl junger Menschen auf dem Arbeitsmarkt sinkt – gleichzeitig steigen die Anforderungen. Migration ist also kein „Nice-to-have“, sondern essenziell für die Versorgung und Betreuung älterer Menschen.

Allerdings zeigt die Praxis: Die gezielte Anwerbung fertig ausgebildeter Pflegekräfte aus dem Ausland ist schwierig. Unterschiedliche Ausbildungswege und Sprachbarrieren machen die Integration oft langwierig.

Erfolgsversprechender ist ein anderer Weg: Wir setzen auf junge Menschen mit Migrationshintergrund, die bereits hier leben – und Schritt für Schritt in die Pflege hineinwachsen. Es gibt viele Einstiegsmöglichkeiten: als Präsenzkraft, in der Hauswirtschaft oder als Pflegehelfer*in. Sprache wird am Arbeitsplatz verbessert, Integration geschieht im Alltag. Die neuen Ausbildungsformate erlauben eine stufenweise Qualifikation bis zum Pflegeexamen.

Natürlich gibt es Herausforderungen – gerade in der Ausbildungsbegleitung. Darum haben wir an unserer Pflegeschule eine zusätzliche Lehrkraftstelle geschaffen, die gezielt unterstützt. Diese Stelle finanzieren wir derzeit aus eigenen und Spendenmitteln – weil sie extrem wichtig ist.

Und auch hier wieder das Thema Bürokratie: Ein Aufenthaltstitel erfordert einen Ausbildungsvertrag – aber der Vertrag kann ohne Aufenthaltstitel gar nicht ausgestellt werden. Ein klassisches Henne-Ei-Problem. Hier brauchen wir dringend praktikablere Lösungen von Seiten der Politik und Verwaltung.

Weitere spannende Einblicke in das Thema Alter und Pflege in Köln erhalten Sie in unserer aktuellen Ausgabe 01_25 der Caritas Konkret.