Gesunde Fachkräfte – das Fundament für starke Kitas!

Demographische Rendite jetzt für bessere Bildungsarbeit nutzen!

ein Beitrag von Guido Geiss, Leistungsbereichsleitung CariKids und Maria Taxacher, Koordination CariKids

Als CariKids gGmbH – Träger von fünf Kitas – erleben wir täglich, wie sehr unsere pädagogischen Fachkräfte unter Druck stehen. Die sich genau hierbeziehende aktuelle Stellungnahme der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission (SWK) bestätigt, was wir seit Jahren beobachten: Hohe Krankenstände und psychische Belastungen gefährden die Qualität der frühkindlichen Bildung. Gleichzeitig begrüßen wir auch die Chance der demografischen Rendite, wie die Bundesbildungsministerin Karin Prien erkennt und wie sie auch im Gutachten benannt wird: Gesundheitsförderliche Maßnahmen ließen sich bereits kurzfristig umsetzen, denn der demographische Wandel und die Alterung der Gesellschaft ermöglichen bei einem Erhalt bestehender Personalkapazitäten trotz sinkender Kinderzahlen eine klare Verbesserung der strukturellen Rahmenbedingungen.

Die SWK fordert zu Recht: Gesundheitsförderung muss endlich Priorität haben! Wir schließen uns dieser Forderung mit Nachdruck an und appellieren an die Politik, jetzt die Weichen für eine nachhaltige Verbesserung zu stellen.

Darum ist es wichtig jetzt zu handeln:

  • Laut DAK sind Erzieher*innen im Schnitt fast 30 Tage pro Jahr krank. Das ist deutlich mehr als andere Berufsgruppen.
  • Hohe Fluktuation und Ausfälle führen zu eingeschränkten Öffnungszeiten, wechselnden Bezugspersonen und sinkender pädagogischer Qualität.
  • Hohe Belastung für Familien und Kinder. Gerade junge Kinder brauchen stabile Beziehungen. Instabile Betreuung gefährdet ihre Entwicklung.

Jetzt die Chance der demografischen Rendite nutzen.

Über Jahre haben die Kitas die Gruppen überbelegt, um der hohen Geburtenrate gerecht zu werden. Es ist an der Zeit den Menschen in den Kitas etwas zurückzugeben.

Sinkende Geburtenraten bedeuten weniger Kinder in Kitas und damit freiwerdende personelle Ressourcen. Diese dürfen nicht in Kürzungen münden! So wie die Bundesbildungsministerin Karin Prien erkennen auch wir die Chance, die in der demographischen Rendite liegt. Anstelle von Kita Schließungen und Entlassungen von Fachkräften sollte der Personalschlüssel, die Relation von Personalstunden zu Kinderzahl in der Gruppe, verbessert werden.  Gesundheitsförderung soll verbessert und flächendeckend finanziert werden und es soll mehr Zeit für Weiterbildung und Vorbereitungen geschaffen werden.

Die demografische Rendite ist unsere Gelegenheit, das System krisenfest und zukunftsfähig zu machen.

Unsere Forderungen sind deshalb:

  1. Personalschlüssel realistisch anpassen
    Krankenstände und Fluktuation müssen in die Berechnung einfließen. Papierwerte helfen nicht, wir brauchen echte Entlastung im Alltag.
  2. Zeit für Qualität schaffen
    Pädagogische Arbeit braucht Raum für Vorbereitung, Elternarbeit und Weiterbildung. Diese Zeiten müssen verbindlich eingeplant und finanziert werden.
  3. Gesundheitsförderung verankern
    Angebote zur Stressbewältigung, Supervision und Prävention dürfen kein Luxus sein, sondern Standard in jeder Kita.
  4. Demografische Rendite investieren
    Freiwerdende Ressourcen müssen in bessere Arbeitsbedingungen und Gesundheitsschutz fließen. Nicht in Sparmaßnahmen.

Die Gesundheit unserer Fachkräfte ist kein Randthema, sie ist die Basis für gute Bildung. Wenn wir wollen, dass Kinder verlässlich gefördert und betreut werden, müssen wir die Menschen stärken, die diese Arbeit leisten.

Gesunde Fachkräfte bedeuten starke Kinder und eine starke Zukunft für uns alle. In die Bildung investieren ist eine Investition in die Zukunftsfähigkeit unserer vielfältigen Gesellschaft.

Gesunde Fachkräfte = starke Kitas!
Die SWK fordert mehr Gesundheitsförderung für Erzieher*innen. Wir als CariKids – Träger von fünf Kitas – sagen: Ja, sofort!

  • Hohe Krankenstände und psychische Belastungen gefährden Qualität und Verlässlichkeit.
  • Sinkende Kinderzahlen sind keine Sparchance, sondern eine Chance für bessere Arbeitsbedingungen.

Wir fordern daher:

  • Realistische Personalschlüssel
  • Zeit für Vorbereitung & Weiterbildung
  • Verbindliche Gesundheitsprogramme
  • Neue Karrierewege für Fachkräfte

Der neue nordrheinwestfälische KiBiz-Referentenentwurfes lässt bislang leider nicht darauf hoffen, dass die hier beschriebene Chance wahrgenommen wird. Umso mehr gilt es jetzt zu handeln – für stabile Betreuung, starke Teams und eine Zukunft, die Kinder verdient haben!

Die Pflege steht vor einem Wendepunkt

Der Verband katholischer Altenhilfe in Deutschland (VKAD) hat den Bericht der Bund-Länder-AG „Zukunftspakt Pflege“ kritisiert.

Detlef Silvers, Leiter des Geschäftsfeldes Alter und Pflege in der Caritas Köln, erläutert, warum, und erklärt Herausforderungen und Chancen.

Unfähig zur echten Reform

Das System der sozialen Sicherung ist zu großen und wichtigen Teilen in den Sozialgesetzbüchern (SGB) definiert. Dies ist seit dem 19. Jahrhundert wesentlicher Teil der sozialen Fürsorge in Deutschland. Unsere Gesellschaft und die Bundesrepublik Deutschland steht auf Grund des demographischen Wandels vor der Herausforderung eines Umbaus der sozialen Sicherungssysteme. Immer mehr alte, kranke und pflegebedürftige Menschen stehen einer sinkenden Zahl an jungen und erwerbstätigen Menschen gegenüber, bei einer sich gleichzeitig zunehmend globalisierenden Wirtschaft.

Wesentliche Säulen sind die Arbeitslosenversicherung, die Rentenversicherung, die Unfallversicherung und die Krankenversicherung, seit den 1990er Jahren ergänzt um die Pflegeversicherung. Die Finanzierung fußt dabei auf Beiträgen der Arbeitgeber (als Beitrag zu deren sozialen Verpflichtung gegenüber den Arbeitnehmern) und den eigenen Beiträgen der Arbeiter und Angestellten. Diese Finanzierung setzt voraus, dass die Wirtschaftsleistung der Unternehmen eine Produktivität hat, die neben Gewinnen der Unternehmer und angemessenen Löhnen der Mitarbeiter, auch Abgaben für die soziale Sicherung „abwirft“. Zudem beruht das System auf einem Generationenvertrag „jung sorgt für alt“.

Die Globalisierung der Wirtschaft, in denen neue Länder konkurrierend in Technologie und Herstellung von Waren vorstoßen, und die überproportionale Steigerung der Anteile alter und hochbetagter Menschen in den westlichen Gesellschaften, machen eine Weiterentwicklung der Sozialen Sicherungssysteme erforderlich.

Seit der Agenda 2010 der rot-grünen Regierung (2003-2005) unter Gerhard Schröder, die den deutschen Arbeitsmarkt und Sozialstaat grundlegend umbaute, unabhängig vom kritischen Diskurs um die Auswirkungen dieser Reform, fehlt es an wirklichen und durchgreifenden Veränderungen im Sozialsystem.

Auf die Nicht-Reform der Rentenversicherung in den letzten Monaten, folgt nun der Abschlussbericht der Bund-Länder-Arbeitsgruppe „Zukunftspakt Pflege“. Diesen kritisiert unser Fachverband Pflege VKAD der Caritas Deutschland als „Papier voller Andeutungen ohne Verbindlichkeit“. Das Papier bleibt, so der Vorsitzende des Verbandes Andreas Wedeking ambitionslos und verschiebt wichtige Entscheidungen auf den Sankt Nimmerleinstag: „Die Pflege braucht kein weiteres Sammelpapier von prüfbaren Optionen, sondern ein Reformpaket, das eindeutig regelt, was kommt, wer es finanziert und ab wann es gilt. Nur eine solche Entschlossenheit zeigt den politischen Willen zu einer stabilen Finanzierung. Die vorgelegten Eckpunkte zeigen ihn nicht.“

Die Anforderung bleibt auch aus unserer Sicht, die Weiterentwicklung der Sozialen Sicherungssysteme unter der Beachtung der unausweichlichen Wahrheiten der sich verändernden Rahmenbedingungen.

Dazu beschreibt Silvers die folgenden Herausforderungen und Chancen:

  1. Statt ständig steigender Eigenanteile bei Pflegebedürftigen braucht eine klare Abgrenzung der Pflegekosten in den Pflegeeinrichtungen zu den Kosten der Pflegekassen und Kommunen. Das Modell des „Spitze-Sockel-Tausch“, mit einer Begrenzung und Festlegung von Eigenanteilen, wurde bereits wiederholt über die Caritas eingebracht, wird von vielen Experten befürwortet, findet aber in der Politik keinen positiven Widerhall. Ob eine solche Festlegung der Eigenanteile mit festen Beträgen erfolgt, oder einkommensabhängig gestaffelt wird, wären zusätzliche Varianten.
  2. Die zunehmende Ausgabenlast der Kommunen, welche sich auch aus den steigenden Eigenanteilen der Pflegebedürftigen nährt, stellt ein echtes Problem für die bereits belasteten kommunalen Haushalte dar. Durch eine mit einer Begrenzung und Festlegung von Eigenanteilen ergäben sich hier ebenfalls Entlastungen.
  3. Die Grundlage der Finanzierung der Pflegeversicherung muss aufgrund der allein durch die Veränderung der demographischen Relation „Beitragszahler zu Beitragsempfängern“ zwingend verändert werden: Entweder eine Finanzierung aus Steuermitteln oder durch eine Ausweitung der Beitragsgrundlage über die reine Lohnabgabe hinaus (Erfassung sonstiger Einkünfte).
  4. Es gilt, so unangenehm dies sein mag, eine Prüfung und Bewertung der Leistungen aus der Pflegversicherung. Was ist die Kernaufgabe der Pflegeversicherung? Welche Leistungen müssen als Pflichtleistungen gesichert werden? Welche Leistungen sind auch als Eigenverantwortung der Altersvorsorge zu finanzieren, besonders in der Frage von Haushaltsleistungen und der allgemeinen Betreuung? In welchen Teilen muss private Vorsorge gefordert und gefördert werden?
  5. Müssen ggf. auch bestimmte Leistungen unter einen „Einwilligungsvorbehalt“ und eine „Indikationsstellung“ gestellt werden? Ist eine „Wahlfreiheit“ der Leistungen zwischen den Bereichen ambulant – teilstationär – stationär dauerhaft möglich, oder begrenzen allein Finanzierung und Verfügbarkeit hier nicht die Möglichkeiten? Wenn wir den Zugang zu den zunehmend knappen Ressourcen der Pflege nicht sinnvoll regulieren, wird dies die Notsituationen noch mehr ansteigen lassen.
  6. Die Unterhaltspflicht für Pflegebedürftige (Elternunterhalt) greift erst bei einem Jahresbruttoeinkommen der Kinder über 100.000 €. Diese Regelung wurde eingeführt, um Angehörige von Pflegedürftigen nicht zu belasten. Auch der Rückgriff auf vorzeitige Übertragungen von Vermögen wist auf eine Frist von zehn Jahren begrenzt. Beides könnte man auch als „Erbenschutzprogramm“ bezeichnen. Muss das eigene Vermögen nicht auch als Teil der Sozialen Vorsorge betrachtet werden? Und kann die Fürsorgepflicht für die eigenen Eltern tatsächlich auf eine bestimmte Einkommenshöhe begrenzt bleiben? Vor dem Hintergrund des Wandels in unserer Gesellschaft muss hier eine Diskussion erlaubt sein.

Um das System der sozialen Pflegeversicherung zu sichern, ist ein „Aussitzen“ der Probleme unmöglich. Diese werden uns dann später nur noch heftiger treffen. Natürlich haben alle Beteiligten eigene Interessen und Besitzstände – wir werden dies aber nicht alles bewahren können, wenn wir einen Zusammenbruch des Systems vermeiden wollen. Vielmehr bedarf es des Konsens: Die Pflege bedarfsgerecht und für alle sichern, indem alle einen angemessen und leistbaren Beitrag hierzu leisten.

Internationaler Tag der Menschenrechte

10. Dezember – Ein Tag des Erinnerns, Mahnens und Hinschauens

ein Kommentar von Zwan Karim – Leitung Perspektivberatung für Geflüchtete und des Caritas Therapiezentrum für Menschen nach Folter und Flucht

Der Internationale Tag der Menschenrechte erinnert uns jährlich daran, dass die Würde jedes Menschen unantastbar ist. Dieses Prinzip bildet das Fundament unserer demokratischen Gesellschaft – und es verpflichtet uns, für jene einzustehen, deren Rechte bedroht sind. Dazu gehören in besonderem Maße geflüchtete Menschen.

Sie fliehen nicht aus „Bequemlichkeit“, sondern vor Krieg, Verfolgung, Gewalt und Perspektivlosigkeit. Sie suchen Schutz – und die Suche nach Asyl ist ein Menschenrecht. Dieses Recht ist in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (Artikel 14) festgeschrieben und in Deutschland durch Artikel 16a Grundgesetz garantiert. Asyl ist kein politisches Zugeständnis. Es ist ein Grundrecht, das nicht von Stimmungen oder Mehrheiten abhängig sein darf.

Menschenrechte unter Druck: Wie Geflüchtete zunehmend dargestellt werden

In der öffentlichen Debatte geraten diese Grundsätze jedoch immer häufiger aus dem Blick. Begriffe wie „illegale Migration“, „Grenzsicherung“ oder „Abschiebungen“ dominieren die Diskussion – während die menschlichen Schicksale in den Hintergrund treten. Doch hinter jeder Zahl steht ein Mensch – mit einer Geschichte, mit Hoffnungen und häufig mit tiefen Verletzungen. Der Internationale Tag der Menschenrechte mahnt uns: Wer Schutz sucht, hat ein Recht darauf, gehört, gesehen und geschützt zu werden.

Weltweite Dimension: Millionen auf der Flucht

Die aktuellen Zahlen des UNHCR (Juni 2025) verdeutlichen, wie dringlich der Schutz von Menschenrechten weltweit ist:

  • 122 Millionen Menschen sind derzeit gewaltsam vertrieben.
  • Darunter 42,7 Millionen Flüchtlinge, die über internationale Grenzen fliehen mussten.
  • Zusätzlich rund 73,5 Millionen Binnenvertriebene (IDPs) im eigenen Land.
  • 67 % aller Geflüchteten bleiben in unmittelbaren Nachbarstaaten – oft in Ländern mit sehr begrenzten Ressourcen.

Diese Realität zeigt: Flucht und Vertreibung sind globale Phänomene – kein „europäisches Problem“.

Europa im globalen Vergleich

In Europa leben etwa 8,9 Millionen Flüchtlinge und Asylsuchende – Geflüchtete. Das entspricht weniger als 8 % aller weltweit Vertriebenen. Geflüchtete machen 1,7 Prozent der Gesamtbevölkerung der EU aus. Europa ist damit keineswegs Hauptziel von Menschen auf der Suche nach Schutz. Die überwältigende Mehrheit bleibt in ihrer Herkunftsregion.

Deutschland im internationalen Kontext

Deutschland bleibt eines der wichtigsten Aufnahmeländer weltweit. Rund 2,6 Millionen Menschen haben Ende 2024 hier Schutzstatus oder ein laufendes Asylverfahren gehabt. Deutschland gehört damit zu den Top-5-Aufnahmestaaten weltweit. Dennoch: Die meisten Geflüchteten erreichen nie Europa. Viele finden Schutz in ärmeren Nachbarstaaten – dort, wo geografische Nähe wichtiger ist als wirtschaftliche Stärke.

Besonders schutzbedürftige junge Geflüchtete

Wie fragil Menschenrechte im Alltag sein können, zeigt sich besonders deutlich bei jungen Geflüchteten. In Köln beobachten wir eine besorgniserregende Entwicklung. Jugendliche, die nur wenige Wochen oder Monate vor ihrem 18. Geburtstag stehen, werden zunehmend vorschnell als volljährig eingestuft – häufig allein auf Basis einer kurzen Inaugenscheinnahme, ohne fundierte Prüfung, ohne transparente Kriterien und ohne Berücksichtigung ihres individuellen Entwicklungsstandes.

Diese Entscheidungen führen regelmäßig dazu, dass die Inobhutnahme beendet wird und die Jugendlichen ohne Schutz in regulären Unterkünften landen. In mehreren Fällen mussten wir Unterstützung bei Widerspruch einlegen und Eilantragstellung anbieten, um ein korrektes Verfahren zu gewährleisten und die Jugendlichen in ein medizinisches Altersgutachten zu überführen.

Wie gravierend die Folgen für die Betroffenen sein können, zeigt ein Fall aus unserer Beratungspraxis:

M., ein unbegleiteter minderjähriger Jugendlicher war im Juli in unserer Beratungsstelle. Er hatte vor kurzem den Termin beim Jugendamt. Bei der Inaugenscheinnahme wurde er als 18 Jahre eingeschätzt, woraufhin die Inobhutnahme beendet wurde. Wir haben bei der Eilklage und dem Widerspruch unterstützend begleitet, da er keinen sachkundigen Vertreter hatte. Erst dadurch wurde ein medizinisches Altersgutachten durchgeführt und er unter 18 Jahre eingestuft. Bis Anfang November hatte M. keine Zuweisung nach Köln und konnte keine Termine bei der Kommunalen Integration bekommen um eine Zuweisung für eine Schule oder einen Sprachkurs zu erhalten. Es sollte noch im November eine Vormundschaft eingerichtet werden – erst dann kann einen Antrag auf Asyl beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gestellt werden.

Der Fall zeigt, wie schnell Jugendliche in existenzielle Unsicherheit geraten können. M. hätte jetzt eine passende Unterkunft, eine Schule oder Sprachkurs haben können und ihm hätte eine Menge Unsicherheiten erspart bleiben können, wenn das System und die Strukturen geregelt gelaufen wären.

 

Mehr erfahren:

Perspektivberatung Caritas Köln

Therapiezentrum Caritas Köln

Quellen:

https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/563237/weltfluechtlingstag-2025/

https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/informieren/fluechtlingszahlen

https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/hilfe-weltweit/hilfe-in-deutschland

 

Warum Altersarmut vor allem Frauen trifft

„Wenn das Geld nicht reicht – Altersarmut hat vorwiegend ein weibliches Gesicht“

Armut im Alter ist in Deutschland kein Randphänomen – sie betrifft immer mehr Menschen. Besonders Frauen sind überdurchschnittlich häufig betroffen. So lag die Armutsgefährdungsquote für Frauen ab 65 Jahren 2023 bei 20,8 %, gegenüber 15,9 % bei Männern derselben Altersgruppe.¹ Hinter diesen Zahlen verbergen sich Lebensgeschichten, die oft von Sorgearbeit, Teilzeit und Lücken im Erwerbsleben geprägt sind. Sabrina Exler, Leistungsbereichsleiterin Netzwerke und Senioren bei der Caritas Köln, stellt Hintergründe, Ursachen und Lösungsansätze näher vor.

Ein Beispiel (modellhaft): Was bleibt am Monatsende übrig?
Frau M. ist 74 Jahre alt. Sie war jahrzehntelang Verkäuferin, häufig in Teilzeit, weil sie sich um ihre Kinder und später um ihre pflegebedürftige Mutter kümmerte. Heute erhält sie eine gesetzliche Rente von 920 Euro brutto, nach Abzug der Kranken- und Pflegeversicherung bleiben ihr etwa 830 Euro netto.Die Miete für ihre kleine Wohnung beträgt 520 Euro, dazu kommen 120 Euro Nebenkosten und 50 Euro Strom. Für Lebensmittel, Medikamente, Kleidung, Mobilität und soziale Teilhabe bleiben ihr so rund 140 Euro – also weniger als 5 Euro pro Tag.

 

Selbst mit Grundsicherung: kaum Spielraum
Frau M. beantragt Grundsicherung im Alter. Diese ergänzt ihre Rente, sodass sie insgesamt auf etwa 1.080 Euro monatlich kommt. Nach Abzug der Wohnkosten (Miete, Nebenkosten, Strom) bleiben ihr rund 350 Euro für alle übrigen Ausgaben: Essen, Medikamente, Kleidung, Busfahrkarten, Telefon, Geschenke etc. Unerwartete Ausgaben (z.B. neue Brille, Heizkosten-Nachzahlung) bringen das ohnehin fragile Budget schnell ins Wanken. Trauer, Krankheit oder Einsamkeit sind in diesen Zahlen nicht berücksichtigt – ihre Auswirkungen verschärfen die Belastungen oft erheblich.

 

Warum sind Frauen im Alter stärker gefährdet?
Die strukturellen Ursachen:

  • Teilzeit und Minijobs: Frauen sind häufiger in schlecht bezahlten, prekären Beschäftigungsverhältnissen tätig.
  • Familienzeiten: Kindererziehung und Pflegearbeit werden nicht oder nur unzureichend rentenwirksam berücksichtigt.
  • Gender Pay Gap: Frauen verdienen im Schnitt rund 18 % weniger als Männer, was sich auch in geringeren Rentenansprüchen widerspiegelt.²
  • Erwerbsbiografien mit Unterbrechungen oder internationale Biografien: Wer Zeiten ohne Beitragspflicht hat, erhält weniger anrechenbare Versicherungszeiten, was die Rente verringert.

Die stille Scham
Viele ältere Frauen sprechen nicht über ihre Not. Scham – nicht vorgesorgt zu haben, um Hilfe bitten zu müssen – ist ein großes Hindernis. Der Gang zur Behörde oder zur Beantragung von Grundsicherung wirkt für viele wie ein persönliches Scheitern und nicht das, was es ist: ein gesellschaftliches Versagen.

Besonders schwierig – Migrationsbiografien

Für Frauen mit internationalen Biografien ist die Situation oft noch komplizierter:

  • Renten aus dem Herkunftsland lassen sich nicht immer vollständig in Deutschland anrechnen.
  • Sprachbarrieren, Informationsdefizite und vor allem komplexe Verfahren erschweren den Zugang zu Hilfen.
  • In manchen Kulturen ist die Inanspruchnahme staatlicher Hilfe besonders stigmatisiert.

So geraten gerade jene, die unter schwierigen Bedingungen ein neues Leben aufgebaut haben und häufig in systemrelevanten Berufen tätig waren, in eine besonders prekäre Lage.

Was zu tun ist:

  • Eine Rentenpolitik, die Sorgearbeit und Teilzeit stärker berücksichtigt
  • Niedrigschwellige Beratungsangebote ohne Stigmatisierung
  • Eine öffentliche Debatte, die strukturelle Ursachen benennt, statt Schuldzuweisungen in Richtung der Betroffenen

Altersarmut ist kein individuelles Versagen, sondern Ergebnis gesellschaftlicher Ungleichheiten.

Wie die Caritas Köln hilft:

Die Caritas Köln unterstützt ältere Menschen in akuter (auch finanzieller) Not mit niedrigschwelliger Beratung, Unterstützung bei Anträgen wie Grundsicherung oder Wohngeld oder bei der Organisation ihrer häuslichen Versorgung. Durch präventive Angebote wie Informationsveranstaltungen, frühzeitige Überleitung in Hilfs- und Unterstützungssysteme und kultursensible Angebote für Menschen mit Migrationsgeschichte hilft sie, finanzielle Risiken frühzeitig zu erkennen und zu reduzieren. Gleichzeitig stärkt sie soziale Teilhabe, fördert Netzwerke gegen Einsamkeit und setzt sich öffentlich für gerechtere Rahmenbedingungen ein, damit Altersarmut – insbesondere von Frauen – gar nicht erst entsteht.

 

 


 Quellenangaben

  1. „20,8 % der Frauen ab 65 gelten als armutsgefährdet, bei den Männern derselben Altersgruppe 15,9 %“ (Destatis / EU-SILC 2023)
  2. Aus den Alterseinkünften 2023: Frauen ab 65 erhalten jährlich im Schnitt ca. 18.663 Euro brutto, Männer 25.599 Euro – was einer Lücke von ~39,4 % entspricht (ohne Hinterbliebenenrenten)

 

Armut bekämpfen, Teilhabe sichern: Warum Hilfsangebote unverzichtbar sind

Zum internationalen Tag für die Beseitigung der Armut (17. Oktober)

Armut ist längst kein Randphänomen mehr. Sie betrifft Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen, Alleinerziehende, Rentner*innen, junge Erwachsene ohne gesicherten Bildungsweg und zunehmend auch Familien aus der sogenannten Mitte der Gesellschaft. Die soziale Ungleichheit wächst – mit gravierenden Folgen für die Betroffenen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Arm zu sein bedeutet weit mehr als einen Mangel an Geld. Es heißt oft: keine angemessene Wohnung zu finden, auf notwendige Gesundheitsleistungen zu verzichten, Schulden anzuhäufen oder bei Bildungschancen abgehängt zu werden. Armut isoliert, macht ohnmächtig – und sie vererbt sich. Gerade deshalb sind verlässliche und niedrigschwellige Hilfsangebote unverzichtbar. Sie geben Orientierung, schaffen Zugang zu Leistungen, öffnen Wege aus der Krise und ermöglichen gesellschaftliche Teilhabe. Ob Unterstützung bei der Wohnungssuche, Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen oder die Vermittlung an spezialisierte Fachstellen – jede Form konkreter Hilfe kann der entscheidende Schritt sein, um Armut zu überwinden.

Doch vielerorts ist das Hilfesystem überlastet oder nicht ausreichend erreichbar. Die Zahl öffentlich geförderter Beratungsstellen reicht längst nicht aus, um den tatsächlichen Bedarf zu decken. Viele Menschen in Not werden gar nicht oder zu spät erreicht. Die Folgen sind gravierend: drohender Wohnungsverlust, Überschuldung, gesundheitliche Probleme oder der Rückzug aus der Gesellschaft. Langfristig schwächt das nicht nur die Betroffenen, sondern auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Hier übernehmen Wohlfahrtsverbände wie die Caritas Köln und ihre Fachverbände besonders in den sogenannten Randbezirken eine tragende Rolle. Sie finanzieren zahlreiche Angebote aus Eigenmitteln und schaffen dort Strukturen, wo staatliche Unterstützung fehlt – mit Beratungsangeboten oder durch kirchliche „Lotsenpunkte“, also Erstanlaufstellen in den Kölner Gemeinden. Sie helfen Menschen mit komplexen, oft miteinander verwobenen Problemen – von Arbeitslosigkeit über Energieschulden bis zu familiären Krisen – und unterstützen sie dabei, Ansprüche geltend zu machen oder den Kontakt zu Behörden zu bewältigen. Als vertrauliches und kostenloses Angebot können sie helfen, Menschen den Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben zu ebnen.

Die zunehmende Finanznot der Kommunen, aber auch das immer stärkere Hinterfragen des Sozialstaates insgesamt, macht es für die Caritas immer schwerer, eigenmittelgetragene Beratungsstrukturen aufrecht zu erhalten. Das trifft am Ende vor allem diejenigen, die ohnehin am stärksten benachteiligt sind. Jede nicht finanzierte Beratungsstunde kann bedeuten: ein Mensch weniger, der rechtzeitig Hilfe erhält.

Statt öffentlicher Ablenkungsdebatten wie sie gerade im Kontext der Diskussionen ums Bürgergeld mit anzusehen sind, braucht es gute Rezepte! Um Armut wirksam zu begegnen, braucht es politische Priorität und strukturell auskömmliche Lösungen – auf kommunaler wie auf bundesweiter Ebene. Nur ein stabiles Netz an Hilfsangeboten kann verhindern, dass Armut sich verfestigt und gesellschaftliche Teilhabe verloren geht.

Ein Kommentar von: Tim Westerholt, Geschäftsfeldleiter Integration, Caritas Köln und Claudia Metternich, Leistungsbereichsleitung Jugend und berufliche Integration, Caritas Köln

Caritas Köln sagt Danke – Ein Fest für das Ehrenamt

von Simone Streif (Referentin Ehrenamt)

Für die Caritas Köln ist das Ehrenamt ein wichtiger Bestandteil ihres Wirkens. Freiwillig Engagierte setzen sich mit Herz, Zeit und Tatkraft für Menschen in unterschiedlichsten Lebenslagen ein. Um diesen Einsatz zu würdigen, lud die Caritas Köln zu einer zentralen Dankesfeier für ihre ehrenamtlichen Mitarbeitenden ein – und über 100 Engagierte aus den drei Geschäftsfeldern des Verbandes sowie der Kölsch Hätz Nachbarschaftshilfen folgten der Einladung in die Geschäftsstelle nach Ehrenfeld.

Nach einer längeren Pause seit der letzten verbandsübergreifenden Feier, war die Freude über die große Resonanz besonders spürbar. Vorstandssprecher Markus Peters und Simone Streif, Referentin Ehrenamt, begrüßten die Gäste herzlich und sprachen ihren tiefen Dank für das außergewöhnliche Engagement aus.

Über 1.000 Ehrenamtliche bei der Caritas Köln aktiv

Vorstandssprecher Markus Peters spricht beim Dankesfest für Ehrenamtliche

Vorstandssprecher Markus Peters bedankte sich in seiner Ansprache bei den über 100 Ehrenamtlichen für ihr Engagement.

Aktuell engagieren sich über 1.000 Menschen ehrenamtlich bei der Caritas Köln – in Altenzentren, sozialpsychiatrischen Einrichtungen, Beratungsstellen, als Sprachmittler*innen, in der Hospizarbeit, bei der Nachbarschaftshilfe Kölsch Hätz und vielen weiteren Bereichen. Die Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten zeigt die Stärke des Verbandes: Ehrenamt hat viele Gesichter und ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Caritas-Arbeit.

Organisiert wurde die Feier von Simone Streif aus der Stabsabteilung Engagement | Gesellschaft | Gemeinde, unterstützt von zahlreichen hauptamtlichen Kolleg*innen. Diese mixten alkoholfreie Cocktails, grillten Würstchen, dekorierten die Räume festlich und sorgten für einen reibungslosen Ablauf. Die Atmosphäre war geprägt von Austausch, Gemeinschaft und guter Laune – musikalisch begleitet von Svitlana Kavka, die auf ihrer Bandura auch kölsche Töne erklingen ließ.

Freude empfangen und weitergeben durch ehrenamtliches Engagement

Bereits bei der Anmeldung wurden die Ehrenamtlichen gefragt, was ihnen ihr Engagement bedeutet. Die Rückmeldungen wurden aufmerksam gelesen und als Girlanden ausgehängt. Viele der Ehrenamtlichen antworteten, dass sie durch ihr Ehrenamt Freude empfangen oder weitergeben – ein starkes Zeichen für die emotionale Bedeutung des freiwilligen Einsatzes. Diese Freude war auch in den Räumlichkeiten der Geschäftsstelle deutlich zu spüren. Ein weiteres zentrales Motiv war der Wunsch zu helfen:

  • um Verantwortung zu übernehmen,
  • um etwas zurückzugeben,
  • um sich sinnvoll einzubringen oder
  • um zu erleben, wie bereichernd das Engagement auch für einen selbst sein kann.

Zum Abschluss erhielt jede*r Ehrenamtliche eine kleine Aufmerksamkeit als Zeichen der Wertschätzung. Denn eines ist klar: Die Caritas Köln ist an 365 Tagen im Jahr dankbar für das, was ihre ehrenamtlichen Mitarbeitenden leisten.

Diese Veranstaltung wird in Erinnerung bleiben – als Ausdruck von Gemeinschaft und Motivation und als klares Signal: Der Caritasverband kann und will nicht ohne das Ehrenamt sein.

Sie möchten sich ebenfalls engagieren?
Dann besuchen Sie www.caritas-koeln.de/Ehrenamt und finden Sie das passende Ehrenamt für sich!

Menschen mit Würde und Potenzialen

Warum Vorurteile über Bürgergeld beziehende Personengruppen diskriminierend, faktisch falsch und kontraproduktiv sind

von Mathias Schnitzler, Pädagogische Fachkraft Arbeitsgelegenheiten
und Raoul Braus, Leitung Arbeitsmarktintegration im Caritasverband der Stadt Köln

Das Team der Arbeitsgelegenheiten (AGH) der Caritas Köln

Lobbyismus für die Langzeitarbeitslosen oder: keine Wertschätzung, keine Wertschöpfung

„Die sind faul“, „Sozial problematisch“, „Unflexibel und unmotiviert“. „Selber schuld!“ Und zur Belohnung, so hört man, bekämen sie für das Liegen in der sozialen Hängematte mehr Geld in die Taschen gesteckt, als manch hart arbeitender Mensch auf dem Lohnzettel hat.

Dies sind nur einige der gängigen Vorurteile gegenüber Personen im Bürgergeldbezug, insbesondere gegenüber langzeitarbeitslosen Menschen. Die sogenannten „Totalverweigerer“, die jetzt als bedrohliche Gespenster wieder in Politikerinterviews die Runde machen, sind in Wahrheit eine geringe Größe: Auf 14.000 bis 16.000 werden sie von der Arbeitsagentur beziffert – deutschlandweit. 74% der Bürgergeld beziehenden Menschen wollen laut einer Studie des Sozialverbands VdK so schnell wie möglich wieder in eine existenzsichernde Arbeit wechseln.

Kampf für eine wertschätzende Förderung

In der Einrichtung Arbeitsmarktintegration, mit vielen Maßnahmen und Projekten zur Berufsberatung und insbesondere im Team der Arbeitsgelegenheiten (AGH) begegnen uns diese Themen tagtäglich und wir kämpfen seit vielen Jahren für eine wertschätzende, ressourcen- und lösungsorientierte Förderung von arbeitssuchenden Menschen.

Mathias Schnitzler, Pädagogische Fachkraft Arbeitsgelegenheiten und Raoul Braus, Leitung Arbeitsmarktintegration

Doch auch diejenigen, die sich zunächst noch sträuben, die Ängste, Einschränkungen oder Erkrankungen haben, sind Menschen mit Potenzialen. Statt Schuldzuweisungen und Rufen nach härteren Sanktionen, sollten wir auf positive Anreize setzen und gemeinsam mit ihnen nach Lösungen suchen.

Diese Menschen, denen wir als Individuen und auf Augenhöhe begegnen, leiden unter den Vorurteilen, die als psychische Belastung zu den Gründen für ihre Arbeitslosigkeit noch hinzukommen: Sehr viele unserer Klient*innen haben gesundheitliche Einschränkungen und Schwerbehinderungen. Alleinerziehenden fehlt die Kinderbetreuung, anderen eine Schul- und Ausbildung oder Qualifikation. Auch das Alter und die Sprachkenntnisse spielen eine Rolle, viele haben multiple Hemmnisse, für die es immer weniger Förderungen und Angebote gibt, da diese gekürzt wurden oder keine Kapazitäten haben.

Chancen für die Zukunft – Forderungen zur Förderung!

In der aktuellen Debatte um das Bürgergeld wünschen wir uns eine differenzierte und realitätsnahe Perspektive der betroffenen Personen und eine lösungsorientierte Sichtweise für die Arbeitsmarktförderung.

Die anstehenden Kommunalwahlen sehen wir als Chance, hier wichtige Schritte in eine ziel- und ressourcenorientierte Arbeitsmarktförderung einzuschlagen. Dafür fordern wir:

  • Langfristigere gesicherte Maßnahmen der Arbeitsmarktintegration
  • Ausweitung der Instrumente zur nachhaltigen beruflichen Integration von Langzeitarbeitslosen Menschen (z.B. Arbeitsgelegenheiten erweitern und über mehrere Jahre beauftragten, §16i Förderungen)
  • Förderungen von beruflichen Qualifikationen/ Weiterbildungen die nachhaltig wirken (keine kurzfristigen Vermittlungen)
  • Abbau von bürokratischen Verwaltungsprozessen für Leistungsbezieher*innen und für die Träger
  • Direkte und transparentere Kommunikation zwischen den Behörden und Trägern (Arbeitsverwaltung, Ausländerämter und Trägern etc.)
    • Zusammenlegung in der Leistungs- und Einkommensprüfung
  • Wertschätzende Debatte und zugleich eine fordernde sowie fördernde Haltung gegenüber Menschen mit Unterstützungsbedarf, insbesondere Langzeitarbeitslosen Menschen

Ein Geschenk des Himmels

Der Regenbogen ist mehr als ein wiederkehrendes Naturwunder. Er ist sogar mehr als ein irgendwie zeitgemäßes und leuchtendes Symbol für Vielfalt. Er ist für Christinnen und Christen auch Zeichen des Bundes. Eines unverbrüchlichen Bundes, den Gott mit den Menschen geschlossen hat.

So steht es an prominenter Stelle im neunten Kapitel des Buches Genesis („Meinen Bogen setze ich in die Wolken; er soll das Zeichen des Bundes werden zwischen mir und der Erde“, Gen 9,12). Vorausgegangen ist diesem Bundesschluss die Geschichte von der Arche Noah. Und so kann man auch heutzutage festhalten: Der Regenbogen ist buchstäblich ein Geschenk des Himmels! Er verbindet Himmel und Erde. Er erinnert an einen Bund, der über uns Menschen hinausweist. Er mahnt auch zu einer erhöhten Sensibilität im Umgang mit der Schöpfung und ihren besonderen Ansprüchen.

In unserer Zeit aber ist der Regenbogen vor allem ein Symbol der Vielfalt. Wie könnte es anders sein? Der Regenbogen ist bunt und er verbindet Farben, die unvermischt und ungetrennt nebeneinander stehen. Seine friedliche Wirkung ist vorbildhaft und zugleich beruhigend.

Man kann am Regenbogen vorbeigehen, man kann ihn im Zweifel sogar ignorieren – er ist trotzdem da! Und so ist es auch mit dem Glauben an Gott in der großen Menschheitsfamilie und so ist es – in Gottes Namen – auch mit der Vielfalt, in unserer Stadt, in unserem Land, in unserer Welt.

Diese Vielfalt ist für uns als Caritas keine Bedrohung, sondern – eben: ein Geschenk des Himmels! Vielfältig hat Gott die Menschen erschaffen, wohl nicht ganz zufällig. Gottlob haben die vergangenen Jahre, so beschwerlich sie manchmal auch waren, wesentlich dazu beigetragen, dass eine Sensibilität für die Vielfalt und ihre wiederum vielfältigen Dimensionen gewachsen ist.

Wir als Caritas verstehen uns aus guten Gründen als Motor dieser Bewegung. Denn es gehört auch zur Wahrheit, dass Vielfalt über unendlich lange Zeiträume ersehnt wurde und errungen werden musste. Vielfach ging der Gegenwart hier eine Leidensgeschichte voraus. Für nicht wenige ist diese Leidensgeschichte noch immer eine bittere Realität. Verbunden mit Diskriminierung, Desintegration und auch Verzweiflung. Wo sonst aber als an der Seite derer, die von gesellschaftlichen Verhältnissen zu Opfern gemacht werden, könnte der Ort der Kirche sein?

Gott selbst hat die Welt nach christlichem Glauben nicht nur bunt und vielfältig geschaffen, sondern er hat sich auch noch besonders mit den Leidenden und Ausgegrenzten verbunden. Es gibt für den Bund kaum ein schöneres Zeichen als den Regenbogen. Er könnte gleichermaßen für Gläubige wie Nichtgläubige ein Geschenk des Himmels sein. Und genauso ist er ein wichtiges Zeichen der Vielfalt. Wir sind froh darüber, dass der Regenbogen viele unserer Einrichtungen nicht nur schmückt, sondern auch prägt!

Dr. Tim Schlotmann, Caritas Köln

Stab Seelsorge und christliche Identität